Gebäudetyp E

Eine Initiative der Bayerischen Architektenkammer: „E“ - wie einfach oder experimentell. Nachhaltige Häuser bezahlbar bauen

Vorstellung der Initiative "Gebäudetyp E" bei der Bundeskammerversammlung am 15.09.2022; Foto: BAK

Wohnbau-Booster für Bayern - u.a. mit dem "Gebäudetyp E"
Die Rahmenbedingungen für die Schaffung von Wohnraum sind schwierig. Das Bayerische Kabinett hat deshalb am 16.01.2023 ein neues Förderprogramm aufgelegt. Unter dem Titel "Wohnbau-Booster Bayern" soll u.a. mit verbesserten Konditionen für Darlehen, höheren Zuschüssen und einer Extra-Förderung von Wohnungen in Orts- und Stadtkernen zusätzlich Anreize geschaffen werden. Ebenso sollen Planerinnen und Planer mit einem flexibleren Baurecht - das sich an dem von der Bayerischen Architektenkammer initiierten Gebäudetyp E orientieren soll - mehr Gestaltungsspielräume für den experimentellen, einfachen Wohnungsbau erhalten, siehe Ziffer 5. 

Mit ihrer Initiative „Gebäudetyp E“ wirbt die Bayerische Architektenkammer für ein zusätzliches Angebot innerhalb der Bayerischen Bauordnung. Dieses richtet sich vor allem an eine fachkundige Bauherrschaft. Dabei tritt der „Gebäudetyp E“  - wie einfach bzw. experimentell - bewusst nicht anstelle der in der Bayerischen Bauordnung geltenden Gebäudeklassen, sondern ergänzt diese. Fachkundige Bauherren und Planende, erhalten damit die Freiheit, ihr Projekt auf den eigentlichen Kern der Schutzziele der Bayerischen Bauordnung (Standsicherheit, Brandschutz, gesunde Lebensverhältnisse und Umweltschutz) zu reduzieren, verzichtet werden kann dagegen auf darüberhinausgehende Normen und Standards. „Beim Bauen heißt auf das Wesentliche zu reduzieren, suffizient, nachhaltig und qualitätsorientiert zu handeln. Dafür stehen die Architektinnen und Architekten aller Fachrichtungen mit ihrer Innovationskraft und Expertise bereit. Dabei haben sie als gesellschaftliche Aufgabe vor allem auch den Gebäudebestand im Blick, der nicht nur nachhaltig und qualitätvoll weiterentwickelt, sondern auch weiterhin bezahlbar bleiben muss.“, betont Kammerpräsidentin Prof. Lydia Haack. Flankierend zu einer geplanten Änderung der Bayerischen Bauordnung sei es zudem notwendig, auf Bundesebene eine zivilrechtliche Öffnungsklausel zu schaffen, so Haack weiter. Damit könne abweichend von den geltenden anerkannten Regeln der Technik ein „Gebäudetyp E“ als spezielle Beschaffenheit im Werkvertrag rechtssicher vereinbart werden. 

Zur Idee des "Gebäudetyps E" informiert Kammerpräsidentin Prof. Lydia Haack weiter ausführlich in der im Dezember veröffentlichten Jahresbeilage der Bayerischen Staatszeitung mit dem Titel "Den gordischen Knoten durchschlagen" , Seite 3. 

Gebäudetyp E: Breite Unterstützung innerhalb der Architektenschaft 

Auch die Bundeskammerversammlung der Architektinnen und Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und Stadtplaner unterstützt die Initiative der Bayerischen Architektenkammer für einfaches Bauen „Gebäudetyp E“ und veröffentlichte am 15.09.2022 eine Erklärung „Rückkehr zu den Grundanforderungen für Planen und Bauen - mehr Spielraum für Innovationen“ 

Pressemitteilung vom 20.09.2022

Gebäudetyp E: Äußerst positive Resonanz bei der Fachanhörung am 28.06.2022 im Bayerischen Landtag

Zur Einführung eines „Gebäudetyp E“ hat der Vorsitzende des Ausschusses für Wohnen, Bau und Verkehr, Sebastian Körber, am 28.06.2022 zu einem öffentlichen Fachgespräch mit Expertinnen und Experten und anschließender Aussprache in den Bayerischen Landtag eingeladen. 
Kammerpräsidentin Prof. Lydia Haack stellte gleich zu Beginn die Motivation der Kammer zur Einführung eines „Gebäudetyps E“ vor: „Die Klimawende muss jetzt schnellstmöglich vorangebracht werden. Weder das Nachjustieren von Normen noch zahlreiche Bausenkungskommissionen haben bisher greifbare Ergebnisse erzielt. Wir sind davon überzeugt, dass die Bayerische Bauordnung für das Gelingen der Klimawende ein wertvolles Instrument darstellt, derzeit jedoch noch zu wenig Gestaltungsspielraum für innovative Denkansätze bietet.“  
Sowohl in den weiteren Expertenvorträgen wie auch in der anschließenden Aussprache ging es darum, wie Standards und bürokratische Hürden beim nachhaltigen Bauen reduziert, Gestaltungsmöglichkeiten für Planende und Architekten flexibilisiert werden und ein „Gebäudetyp E“ angesichts zahlreicher Haftungsfragen in der Praxis rechtssicher umgesetzt werden könnte. Dabei wurde von allen Fraktionen zum Ausdruck gebracht, dass die Einführung eines „Gebäudetyps E“ in die Bayerische Bauordnung ein richtiger Weg dafür sein könnte. Nachhaltiges und einfaches Bauen brauche mehr Gestaltungsfreiheit – ein enges Korsett von Normen, überflüssigen Standards und bürokratischen Hürden hindere notwendige Innovationen. Ein einzuführender „Gebäudetyp E“ schaffe für eine fachkundige Bauherrschaft ein zusätzliches Angebot, eigene Projekte auf den Kern der Schutzziele der Bayerischen Bauordnung zu reduzieren, um bewusst einfach, nachhaltig und rechtssicher zu bauen.

Der Bayerische Landtag hat zur Anhörung einen Bericht veröffentlicht.

Pressemitteilung vom 29.06.2022

Weitere Veröffentlichungen zum Thema: