Statement zur Europawahl 2024

von Kammerpräsidentin Prof. Lydia Haack

© Europäische Union 2024 – Quelle: Europäisches Parlament (www.elections.europa.eu/de/)


Im Europäischen Parlament werden Fragen diskutiert, die für Architektinnen und Architekten von großer Relevanz sind: Wie können wir Wohnraum schaffen, gesunde Umwelten erhalten und öffentliche Räume sozial gestalten? Diese Ziele spiegeln Werte wider, die das Fundament der Europäischen Union bilden und ihre politischen Entscheidungen auf allen Ebenen leiten. Es geht um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, wirtschaftliche Prosperität, soziale Gerechtigkeit und Solidarität, Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie Vielfalt und kulturellen Austausch. Als Architektinnen und Architekten können wir aktiv mitgestalten, inwiefern sich diese Werte auch auf europäischer Ebene in unserer gebauten Umwelt zeigen.

Deshalb: Machen Sie von Ihrem Wahlrecht am 9. Juni Gebrauch! Setzen Sie sich mit Ihrer Stimme bei der Europawahl dafür ein, die internationale Gemeinschaft und die Demokratie zu stärken.

„Wie Menschen denken und leben, so bauen und wohnen sie“, schrieb Johann Gottfried von Herder. Also: Überlassen wir es nicht den Rechtspopulisten, Demokratie-Gegnern und den Fremdenfeindlichen, unsere Gesellschaft nach ihrem Denken zu gestalten. Nehmen wir es selbst in die Hand, unsere öffentlichen Räume nach unseren demokratischen Werten zu gestalten, damit Menschen ohne Angst in ihnen leben können und faire Diskurse entstehen, in denen alle Gehör finden. Eine gut gebaute Umwelt kann ein produktives Miteinander unterstützen.

Mit Ihrer Stimme können Sie sich für ein Mehr an Baukultur einsetzen, für die Förderung des architektonischen Erbes in Europa, für zeitgenössische Architektur und Stadtplanung. Dazu gehört auch, eine grün-blaue Infrastruktur zu entwickeln, energieeffizient und ressourcenschonend zu bauen und den Bestand nachhaltig weiterzuentwickeln. Denn wie viele andere globale Themen lässt sich der Klimawandel nicht nationalstaatlich bezwingen. Ein Großprojekt, das auf europäischer Ebene entwickelt wurde, ist „Fit for 55“, mit dem die gesamte europäische Gesetzgebung in Energie- und Klimafragen neu aufgestellt werden soll. Mit einer Überarbeitung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) soll das Thema Sanierung, Um- und Weiternutzung von Bestandsgebäuden gegenüber dem Thema Neubauten verstärkt in den Fokus gerückt werden. Ein wichtiger Schritt in Richtung „Umbaukultur“.

Klar ist: Im Europäischen Parlament werden unzählige Entscheidungen gefällt, die uns als Architektinnen und Architekten in unserem täglichen Tun unmittelbar betreffen. Das gilt über den Umweltschutz hinaus für die Regulierung der Baustandards und das EU-Vergaberecht, für Forschungsprojekte und soziale Standards.

Wir können uns gemeinsam dafür einsetzen, die Zusammenarbeit europaweit zu erhalten und auszubauen. Ein Austausch über Landesgrenzen hinweg ist elementar und kommt uns allen zugute. Für eine demokratische, nachhaltige, innovative und lebenswerte Zukunft. Geben Sie Ihre Stimme ab.

Mit vielen Grüßen
Ihre

Prof. Lydia Haack, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer

P.S.:
Übrigens, das Haus der Architektur wird zum Wahllokal für die Stimmbezirke 911, 913 und 926. Ein Coffee-Bike wird alle Wählerinnen und Wähler sowie Besucherinnen und Besucher am Wahltag mit frischem Kaffee versorgen, den Sie auf unserem neuen Vorplatz genießen können.
Und es gibt ein weiteres Highlight: Alle Projekte der Architektouren 2024 aus München werden schon ab dem 9. Juni im Haus der Architektur gezeigt. Ein Rundgang durch die Ausstellung lohnt sich!