05/2019 Bauen – Leben – Klima schützen

Avatar of BEN BEN - 01. Mai 2019 - Klimaschutz

Bauen – Leben – Klima schützen. Ihr Beitrag zählt – machen Sie mit!

„Die Welt zu einem besseren Ort zu machen und uns zusammenzureißen ist schließlich ein überparteilicher, uns einender Grund, hinter dem wir alle stehen können.“

Joyce Msuya, Leiterin des UN-Umweltprogramms

 

Die Geschwindigkeit des Klimawandels ist hoch, Menschen reagieren aber nur langsam auf dieses Phänomen. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei Weitem nicht aus, wie der ausführliche Umweltbericht GEO-6 der Vereinten Nationen von März 2019 aufzeigt. Die Ergebnisse sind beunruhigend: "Entweder wir verbessern den Umweltschutz drastisch oder Millionen von Menschen werden in Städten und Regionen in Asien, dem Nahen Osten und in Afrika bis Mitte des Jahrhunderts vorzeitig sterben.", heißt es in dem Bericht der 250 Wissenschaftler und Experten aus 70 Ländern.

Deutschland ist 2016 dem Pariser Klimaabkommen beigetreten, mit dem angestrebten Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 °C zu beschränken. Hierfür müssen die Nettoemissionen von Treibhausgasen (insbesondere CO2) nicht nur sinken, sondern in den nächsten 20 bis 30 Jahren weltweit auf null reduziert werden. Dies erfordert ein rasches gemeinsames Handeln über die nationalen Grenzen hinaus. Ein umfassender politischer und gesellschaftlicher Rahmenplan mit ambitionierten Maßnahmen und Gesetzen, die zur Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens führen würden, ist weder für Deutschland noch für Europa verabschiedet. Die Aufgabe scheint vor dem Hintergrund der aktuellen Nöte und Ängste, die auch durch die Folgen des Klimawandels hervorgerufen werden, zu komplex.

…und trotzdem bewegt sich etwas!

Schüler demonstrieren europaweit an Freitagen für mehr Klimaschutz und fordern die Erwachsenen zu einem Umdenken sowie raschem Handeln auf. 26.000 Wissenschaftler allein aus Deutschland, der Schweiz und Österreich stellen sich aktuell mit ihrer Kompetenz hinter sie ("Scientists for future"). Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber ruft die Jugend-Klimakonferenzen ins Leben, bei denen die Fragen und Visionen der jungen Generation im Mittelpunkt stehen. In landesweiten, aber auch lokalen Bewegungen setzt sich die Bevölkerung für Artenschutz (Volksbegehren Artenvielfalt) oder eine Mobilitätswende ein (Radelbegehren Berlin, Hamburg, München, Bamberg etc.). Die bayerische Politik hat in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen, ein bayerisches Klimaschutzgesetz auf den Weg zu bringen, verbunden mit verbindlichen Etappenzielen und Maßnahmen für alle an der Gesellschaft Beteiligten. Bayern übernimmt eine Vorreiterrolle im Klimaschutz, schon aufgrund seiner Topgrafie. Die Veränderungen durch den Klimawandel sind im Alpenvorland und in den angrenzenden Gebirgsregionen offensichtlicher als an vielen anderen Orten.

In allen Branchen, Unternehmen aber auch in Politik und Gesellschaft werden Maßnahmen und Anpassungsstrategien zum Klimaschutz diskutiert und teilweise auch umgesetzt. Energieeinsparung und suffizientes Verhalten, das den Energie- und Konsumbedarf von vornherein auf ein optimales Maß reduziert, finden auf allen Ebenen verschiedene Ansätze und Projekte. Die Haltung und Projekte jedes Einzelnen regen zum Nachdenken und Nachahmen an.

Was können Architekten und stellvertretend die bayerische Architektenkammer im baulichen Bereich bewegen? Architekten und Planer haben die Fähigkeit und Erfahrung, Bauprojekte in ihrer Ganzheitlichkeit und über die gesamte Lebensdauer hinweg beurteilen und beeinflussen zu können. Nachhaltige Strategien und Konzeptionen anzuregen, zu entwickeln und erfolgreich umsetzen, ist eine der Zukunftsaufgaben des Berufstandes. Die zu behandelnden Themen sind vielfältig und Detailwissen ist allen Sparten gefragt.

Die Architektenkammer ist Bündnispartner der Bayerischen Klima-Allianz und des Bündnisses Flächensparen. Sie setzt sich für die Fachkompetenz ihrer Mitglieder ein und bietet für die berufliche Praxis – auch im Sinne der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes – vielfach Unterstützung. Hierfür wurde die Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit – BEN 2016 von der Bayerischen Architektenkammer und dem bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr ins Leben gerufen. Die BEN trägt dazu bei, das Bewusstsein der Akteure des Planens und Bauens für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz zu schärfen, Wissen zu vermitteln und in Theorie und Praxis Unterstützung zu leisten. Ratsuchende aus allen Bereichen des Bauens, Bauherren, Kommunen, Architekten, Fachplaner und viele mehr, richten ihre allgemeinen oder projektbezogenen Fragen an die BEN und nutzen die kostenfreien und neutralen Beratungen der Experten.

Kommunikation ist erfolgreich im Dialog. Daher hat die BEN die Richtung hier einmal umgedreht und hat Interessierte, Planer und politische Akteure nach ihrem Beitrag gefragt: Bauen, Leben, Klima schützen:

  • Wo setzen Sie, beruflich und/oder privat, Ihren Schwerpunkt im Sinne des Klimaschutzes?
  • Wie sehen Ihre persönlichen Ziele und Vorstellungen einer zukunftsfähigen Gesellschaft aus?
  • Welche Unterstützung benötigen Sie hierfür?

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18 Kommentare

Vallentin + Reichmann Architekten
Rainer Vallentin

29. Mai 2019

Der wichtigste Beitrag besteht darin, wie wir als Architekten im Alltag agieren und wir wie unsere Projekte planen und bauen. In unserem Büro sind das Passivhäuser, Null- und Plusenergiehäuser und in einem Fall auch ein energieautarkes Haus. Holzbauweisen werden immer dann realisiert, wenn der Bauherr mitspielt und dies im Kostenrahmen umsetzbar ist (daher oft Holz-Hybridbau, eigentlich immer: denn Keller und Tiefgaragen bauen wir einfach nicht aus Holz); Am Anfang waren diese Standards mühsam (vor allem die ersten zwei Projekte), mit der Zeit wird das immer mehr Gewohnheit und dann ist das Kostenthema mehr oder weniger vom Tisch. Wichtig war für mich auch ein Passivhaus in der Stadt für meine Familie zu bauen und dann zu beobachten, wie es sich im Alltag verhält. Auch hier ist "Normalität" das herausstechende Merkmal. Der gute thermische Komfort dort wird selbstverständlich. Bemerkt wird dagegen der lausige Komfort in zugigen und schlecht gedämmten Häusern. Immer wieder bin ich erstaunt, dass die Energieverbräuche sehr gut mit den Berechnungen des Passivhaus-Instituts übereinstimmen (ganz anders bei den EnEV-Berechnungen: Nichts ist schlimmer, als sich selber zu betrügen und am Ende nicht zu verstehen, was man tut), ... Im privaten Bereich fasziniert mich immer mehr das Thema Böden und Gärtnern, auch hier kann man für den Klimaschutz einiges tun.

Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr
Dr. Hans Reichhart

25. April 2019

Ich bin in einem ländlichen Umfeld großgeworden. Da bekommt man die Liebe zur Natur und ein gesundes Umweltbewusstsein quasi in die Wiege gelegt. Ich bemühe mich jeden Tag, genau das gleiche Verständnis auch meinen Kindern zu vermitteln: Die Liebe zur Natur, zur Tierwelt und zu allem, was man draußen erleben kann. Neben dieser privaten Perspektive gibt es dann auch die berufliche. Auch hier gilt: Bayern hat eine Natur und Landschaft, die einzigartig ist. Bayern ist Heimat. Deshalb liegt mir der Umgang mit unserer Schöpfung besonders am Herzen. Wir müssen sorgsam mit Flächen umgehen, da sitze ich genau im richtigen Ministerium. Wir wollen auf der einen Seite gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schaffen, eine Infrastruktur ausbauen und in Schuss halten, damit wir den Lebensstandard, den wir haben, auch halten können. Auf der anderen Seite müssen wir verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen, die wir haben. Genau hier sehe ich meine Aufgabe. Dies in Einklang zu bringen ist der Kernpunkt meiner Arbeit als Bau- und Verkehrsminister.

Mein Ziel ist es, gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Land zu schaffen. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Kommunen, Wohnungsbauunternehmen, Planern, Firmen und den vielen anderen Akteuren rund ums Bauen, möchte ich intelligente Antworten auf die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft erarbeiten. Ausreichend verfügbarer, bezahlbarer, nachhaltig geplanter und gebauter Wohnraum gehört zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Dabei müssen wir auch die Möglichkeit der Digitalisierung nutzen. Intelligente Lösungen sind heute viel schneller umsetzbar als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Wohnraumversorgung, effiziente Flächennutzung und Wirtschaftlichkeit beim Bauen werden wir nur im Schulterschluss mit allen Beteiligten meistern. Die Bayerische Architektenkammer mit Ihrer Beratungsstelle „Energieeffizienz und Nachhaltigkeit“ ist ein wichtiger und verlässlicher Partner. Ich baue weiterhin auf die gute Zusammenarbeit mit den Architekten und Innenarchitekten, Landschafts- und Stadtplanern und schätze Ihre Unterstützung sehr. Durch einen ganzheitlichen und übergreifenden Ansatz in der Planung liefern sie uns einen wichtigen Baustein für mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz und eine zukunftsfähige Gesellschaft.

BDA Landesvorsitzende
Prof. Lydia Haack

12. April 2019

Der BDA Bayern setzt sich als Mitglied der Bayerischen Klimaallianz für seit langem für den Klimaschutz ein. Darüber hinaus möchte ich auf folgende Anmerkungen meines Vorstandskollegen Jörg Heiler zum Klimaschutzplan 2050 verweisen:
• Der Gebäudebestand ist dem Neubau grundsätzlich vorzuziehen („Graue Energie“). Neubau ist vor jeder Entscheidung kritisch zu hinterfragen.
• Damit hängt zusammen, dass in Deutschland über 1 Mio. Geschosswohnungen leer stehen. Dennoch wird und soll nach wie vor viel neu gebaut werden, gerade jetzt. Und das bei dem stattfinden demographischen Wandel von 80 auf 60 Mio. Einwohnern in den nächsten Jahrzehnten, auch wenig beeinflussbar, die aufgrund von Migration neu zu uns kommen werden. Der leere Bestand trägt also ein Energieeinsparpotential in sich. Zudem ist der Wohnflächenverbrauch in Deutschland im globalen Vergleich zu hoch und steigt unverantwortlich. Seit 20 Jahren ist die Zahl der Wohnungen in Deutschland von 35 auf 41 Mio. gestiegen bei weiterhin ca. 80 Mio. Einwohnern. Auch hier liegt ein Potential.
• Wegen des Leerstands teilweise am „falschen Ort“ sind folglich auch städtebauliche, raumordnungspolitischen Fragen und deren Zusammenhang mit Fragen der Energie wesentlich stärker als im Klimaschutzplan genannt zu beachten, um diesen Leerstand neu zu aktivieren. Hier sollte diskutiert werden, welche Anreize gesetzt werden können, um die Substanz derzeit schrumpfender Regionen zu nutzen. Der Leerstand in wirtschaftlich prosperierenden Bereichen sollte und kann mit intelligenter Planung auf neue soziale Gegebenheiten (Single, Patchwork, mobile Familien, verschiedene Lebensabschnitte, etc.) angepasst werden.
• Städtebaulich denken heißt hier auch regional und überregional konzipierte Siedlungs- und Verkehrsstrukturen zu fördern, die in der Gesamtbilanz energiesparend sind. Die schwerpunktmäßige Betrachtung des einzelnen Objekts oder Quartiers springt zu kurz
• Intelligente Konzepte und Innovationen sind stärker voranzutreiben, finanziell besser zu fördern (und zu honorieren) als die Energieeinsparung durch den Einsatz von Material. Intelligent minimalinvasiv eingreifen sollte das Ziel sein.
• Die im Klimaschutzplan vorgeschlagenen Maßnahmen sollten im globalen Kontext reflektiert werden. Der Versuch, einen global überzogenen Komfortstandard durch Energiesparmaßnahmen vor Ort (mit hohem Material- und Ressourceneinsatz) auf Kosten anderer, weit entfernter Orte zu betreiben, wird langfristig scheitern.
• Das Nutzerverhalten ist beim Thema Energie stärker zu berücksichtigen, interdisziplinär (Sozialwissenschaften, etc.) zu erforschen und dann Anreize zu setzen.

Zur Umsetzung des Klimaschutzes brauchen wir eine starke und selbstbewusste Positionierung der Bayerischen Architektenkammer gegenüber Politik und Gesellschaft.


Mitglied des Vorstands ByAK
Prof. Clemens Richarz

02. April 2019

Berufliche Schwerpunkte für den Klimaschutz:
• Hochschullehrer: Ausbildung der Architekturstudenten
• Berufsstand: Weiterbildung von Architekten/innen zu Energieeffizienzberatern
• Ehrenamt (Vorstand ByAk): Förderung und Unterstützung von Aktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit (Mitarbeit in Gremien, AG „klimaneutrale Kammer“)
Privat: Versuch, immer die Suffizienzfrage zu stellen (schwierig, aber trotzdem hilfreich)

Persönliche Ziele und Vorstellungen einer zukunftsfähigen Gesellschaft:
Globaler Interessensausgleich, multilateral, empathisch. Deshalb: Politisches Engagement für Gerechtigkeit und Völkerverständigung, Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung/soziale Ungerechtigkeit.

Persönliche Unterstützung durch Freunde, Mitarbeiter, Studierende, die ebenfalls zu diesen Themen Zugang haben und als Gesprächs- und Aktionspartner zur Verfügung stehen.
Politische Unterstützung zur Durch- und Umsetzung von Ideen zur Nachhaltigkeit. Netzwerke bzw. Netzwerkverbindung auf allen Ebenen – natürlich auch digital.


BUND Naturschutz
Dr. Herbert Barthel

29. März 2019

Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. fordert das Einhalten der 1,5 °C Grenze gemäß der Klimaschutz-konferenz Paris 2015. Diese wurde in Deutschland und in der EU in 2016 ratifiziert. Die globale Umsetzung dieses Ziels muss wissenschaftlichen Anforderungen folgen, wie beispielhaft skizziert in dem Artikel „Three years to safeguard our climate“, Nature, 29-6-2017, vol. 546, p. 595 http://www.nature.com/news/three-years-to-safeguard-our-climate-1.22201. Der IPCC Sonderbe-richt von 2017 beschreibt die fachlichen Grundlagen der Einhaltung des 1,5 °C Ziels – die Menschheit sollte global nur noch ca. 600 Gt (600 Milliarden Tonnen) an Treibhausgasen (THG), erfasst als Kohlen-dioxid-Äquivalente (CO2), emittieren. Aus diesem globalen Budget kann linear anteilig als Mindestanforderung das THG-Restbudget für Bayern abgeleitet werden als Anteil der Einwohner Bayerns, ca. 12,5 Millionen Menschen, an der globalen Weltbevölkerung von ca. 8 Milliarden Menschen. Dieses Budget muss verbindliche Grundlage der Energie- und Klimaschutzdiskussionen in Bayern werden.

https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/perspektive-2030-suffizienz-in-der-praxis/
https://www.bund.net/ueber-uns/nachhaltigkeit/nachhaltigkeitsstrategie/un-ziele/

Wichtig hierfür: Demokratie, Zustimmung der Gesellschaft und demokratische Mehrheiten in der Gesellschaft, ein demokratisches Europa (https://www.ein-europa-fuer-alle.de/netzwerk)

Privat:
- Meine Frau und ich haben 5 Söhne großgezogen – ausschließlich mit waschbaren Stoffwindeln.
- Ernährung: aus ökologischem Anbau seit 30 Jahren.
- Ich habe 2010 meine Industrietätigkeit beendet, arbeite nun für den BUND Naturschutz und habe so meine Autofahrten um ca. 90% und meine Flüge um ca. 99 % reduziert.
- Meine Frau und ich haben 2012 eine alte Doppelhaushälfte gekauft und 2017 energetisch saniert – mit Holzfaserweichplatten als Dämmstoff.
- Privat und beruflich nutzen wir für Mobilität überaus vorwiegend Bahn, ÖPNV und Rad.

Hauptgeschäftsführerin ByAK
Sabine Fischer

28. März 2019

Als Juristin bin ich immer und überall von Papieren umgeben. Hier versuche ich mich selbst zu erziehen: Nur das Notwendigste ausdrucken bzw. kopieren, so oft es geht am Bildschirm arbeiten, Sitzungsunterlagen auf dem Tablet mitnehmen, nicht im Ordner. Privat setze ich auf meinen Einkaufskorb, der immer dabei ist: Obst und Gemüse passt ohne Umverpackung hinein. Getränke kaufe ich möglichst in Mehrweg-Glasflaschen, dazu vorzugsweise regionale Produkte je nach Saison und wenig Fleisch. Das Auto lasse ich meist in der Garage: Mit dem ÖPNV oder dem Rad bin ich ohnehin schneller.

Nicht nur im Hinblick auf den Klimaschutz gilt: Wenn wir alle etwas mehr nachdenken, bevor wir handeln, ist viel gewonnen: Im Umgang miteinander, beim Konsum (Brauche ich das jetzt wirklich?), bei der Urlaubsplanung (Wie erholsam sind ein paar Tage in den Münchner Hausbergen verglichen mit einer langen Reise zum Palmenstrand, von dem ich dann mit einem Jetlag zurückkehre?). Natürlich – alles zu seiner Zeit, aber nicht ohne Sinn und Verstand!

Es ist wie meistens im Leben: Je attraktiver das Angebot ist, desto eher nehme ich es an. Ideal ist es, wenn die Nachhaltigkeit nicht im Vordergrund steht, sondern selbstverständlich ist. Das Umdenken, das hier stattfinden muss, bedarf der Unterstützung – durch Denkanstöße, aber auch gesetzliche Regelungen, wenn nötig: Sie haben die Kraft, uns zu regelkonformem Verhalten zu bewegen, wenn es nicht von alleine klappt. Wir alle müssen uns einfach stärker disziplinieren!

Geschäftsführer, Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft
Detlef Fischer

28. Februar 2019

Berufliches und privates Handeln gehören zusammen. Authentisches Verhalten in beiden Lebensbereichen ist notwendig. Der sparsame Umgang mit fossilen Energieträgern hat oberste Priorität.
In einer zukunftsfähigen Gesellschaft muss klimafreundliches Verhalten belohnt werden. Jeder Bürger sollte über das gleiche CO2-Budget verfügen.
Die Politik muss endlich anfangen den Wählern zu erklären, was die Energiewende für den Lebensstil bedeutet.

Architektin
Monika Gebhard

15. Februar 2019

Als Architektin und Energieberaterin ist mein Schwerpunktthema Energieeffizient zu sanieren. Das Thema beherrscht mein berufliches Leben. Darüber hinaus engagiere ich mich im Arbeitskreis „Energie und Klimaschutz“ in unserem Landkreis
Im privaten Bereich versuche ich mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz durch Wiederverwertung und lange Nutzungsdauer zu erreichen, um so die vorhandenen Ressourcen zu schonen. Ein großes Auto, sowas kommt für mich nicht in Frage

Energieeffizienz und Klimaschutz sind mir wichtig. Nicht nur, aber auch, weil ich mitwirken will, für meine 3 Enkelkinder die Lebensgrundlagen zu erhalten.
Politisch, im Bereich der Kommune, will ich mitwirken, dass die öffentliche Hand hier Vorbildfunktion übernimmt. Okay, mehr Fahrradfahren – aber wer nimmt sich das nicht vor?
Meine Vorstellung einer zukunftsfähigen Gesellschaft? Eine weltweite gerechte Verteilung der Ressourcen und eine höhere Besteuerung von klimaschutzfeindlichem Konsum und Verhalten

Dafür braucht es:
• Engagierte Bürger
• Öffentlichkeitsarbeit die auch im nicht akademischen Bereich ankommt: „Make it simple and easy“
• Förderprogramme, die einfach handhabbar sind (als Negativbeispiel sei hier das 10.000 Häuserprogramm genannt).
• Ein neues Fahrrad

Berufsmäßige Stadträtin
Stephanie Jacobs

08. Februar 2019

Der Münchner Stadtrat hat am 27. September 2017 auf meinen Vorschlag hin ein ehrgeiziges Ziel beschlossen: Bis zum Jahr 2050 soll die bayerische Landeshauptstadt klimaneutral sein. Konkret heißt das: Im Jahr 2050 soll der jährliche Treibhausgasausstoß pro Kopf nur noch 0,3 Tonnen betragen. Ebenfalls verschärft wurde das Klimaziel für das Jahr 2030. Bis dahin soll die Treibhausgasemission auf 3 Tonnen pro Kopf und Jahr reduziert werden.

Als Stadtverwaltung setzen wir selbstverständlich in allen relevanten Bereichen des Klimaschutzes Schwerpunkte. Seit dem „Grundsatzbeschluss zum Integrierten Handlungsprogramm Klimaschutz in München (IHKM)“ im Jahr 2008 stellt die LH München in insgesamt acht Handlungsfeldern (Wohnungsbau, Stadtentwicklung – Bauleitplanung – Grünplanung, Mobilität und Verkehr, Energieeffizienz im Gewerbe, Energiebereitstellung und -verteilung, Energieeffizienz bei stadteigenen Gebäuden und der elektrischen Verkehrsinfrastruktur, Beschaffung – Dienstreisen – Dienstfahrzeugen und Bewusstseinsbildung und Verhaltensänderungen) alle drei Jahre ein neues Klimaschutzprogramm bereits über 300 Mio. Euro Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung gestellt und zahlreiche Stellen für den Klimaschutz geschaffen.

Die Erreichung des Ziels der Klimaneutralität im Jahr 2050 hängt sehr stark von vielen Faktoren auf internationaler und europäischer Ebene ab. Der „Klimaschutzplan 2050“ der Bundesregierung gibt zudem einen entscheidenden, auf Sektoren herunter gebrochenen Rahmen vor. Der Landeshauptstadt München kommt laut Fachgutachten „Klimaschutzziel und -strategie München 2050“ ein Einflussbereich von circa 40% bei der Erreichung des Klimaneutralitätsziels zu. Als Kommune sind wir stark auf klare Rahmenbedingungen angewiesen, welche die EU, der Bund, aber auch der Freistaat vorgibt, um unsere Ziele zu erreichen und solche dringenden und umfangreichen Aufgaben wie eine Energie- und Verkehrswende zu lösen.

Im Gebäudebereich hat der Münchner Stadtrat im letzten Oktober auf meinen Vorschlag hin vor dem Hintergrund der neuen Klimaschutzziele eine qualitative Weiterentwicklung des langjährigen kommunalen Förderprogramms Energieeinsparung beschlossen, die ab dem 1. April 2019 in Kraft treten wird. Angesichts des großen Einsparpotentials an Energie und CO2 im Bestandsbau, wurde der Schwerpunkt der neuen Förderung verstärkt auf diesen Bereich gelegt. Um die Anzahl an Sanierungsmaßnahmen insgesamt zu erhöhen, werden zum niederschwelligen Einstieg der Eigentümerinnen und Eigentümer auch umfassende Beratungsleistungen gefördert. Zusätzlich neu aufgenommen wurde auch eine Förderung von Photovoltaikanlagen bei Neu- und Bestandsbauten mit zusätzlicher Unterstützung bei Mieterstromkonzepten sowie der Errichtung von Batteriespeichern. Diese Förderung soll dazu beitragen, die für die Klimaneutralität dringend nötige Erhöhung des Anteils an erneuerbarer Energie in München zu forcieren. Auch Beratungs- und Planungsleistungen für die Solarenergie werden finanziell unterstützt. Im Themenfeld Gebäude sowie im Bereich Stadtplanung ist insbesondere die Bayerische Architektenkammer ein wichtiger Partner, um die CO2-Einsparpotentiale zu heben und damit einen unerlässlichen Beitrag zur Zielerreichung der Klimaneutralität im Jahr 2050 in München zu ermöglichen. Hierbei gilt es auch aufzuzeigen, dass energieeffizientes Bauen und Sanieren auch unter Kostengesichtspunkten sinnvoll ist.

Aber auch auf jede Bürgerin und jeden Bürger sind wir angewiesen, damit das Ziel der Klimaneutralität in 2050 erreicht werden kann. Klimaschutz ist ein Thema, zu dem alle etwas beitragen können, egal ob in der Wahl des täglichen Verkehrsmittels, beim Konsum oder beim Energieverbrauch im eigenen Zuhause. Deshalb setzt die Landeshauptstadt München auch verstärkt auf Maßnahmen, die die Stadtgesellschaft aktivieren. Ganz aktuell ist die unter Federführung des Referats für Gesundheit und Umwelt im September 2018 gestartete Klimaschutzkampagne „München Cool City“ (www.coolcity.de).

Im Jahr 2016 hat Oberbürgermeister Reiter stellvertretend für die Landeshauptstadt München die Resolution des Deutschen Städtetages „Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung“ unterzeichnet. Die dort vereinbarten siebzehn Ziele für eine nachhaltige Entwicklung sind politische Zielsetzungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Sie sollen der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökologischer Ebene dienen. Die Agenda 2030 setzt sich für einen Transformationsprozess innerhalb der Gesellschaft ein. Bestehende Strukturen müssen sich verändern, um z.B. das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Ohne die stärkere Einbindung wichtiger Akteure und aller Bürgerinnen und Bürger sind die Ziele allein von der Stadtverwaltung nicht erreichbar.

Inge Aures, MdL

04. Februar 2019

Jeder kann im Kleinen seinen Beitrag dafür leisten, die Umwelt zu schonen und keine Ressourcen zu verschwenden. Darauf lege ich großen Wert.
Konkret ist eines meiner Ziele, dass dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) endlich die Bedeutung zugewiesen wird, die er verdient. Außerdem kämpfe ich – wie in der Verfassung vorgesehen – für gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern und Franken.
Im Bayerischen Landtag müssen sich natürlich die entsprechenden Mehrheiten finden. Gut ist, dass die SPD-Landtagsfraktion jetzt ein Soziales Klimaschutzgesetz einbringt, von dem letztlich auch einkommensschwächere haushalte profitieren würden.

Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
Dr. Norbert Schäffer

24. Januar 2019

Beim Neubau unseres Hauses haben wir uns bewusst für folgende Technologien entschieden: Photovoltaik & Wärmepumpen. Bei Anschaffungen achten wir auf Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit der Produkte. Bei Lebensmitteleinkauf bevorzugen wir saisonale Bioprodukte, vorzugsweise aus regionaler Erzeugung.
Dienstreisen werden vorrangig mit der Bahn absolviert.

Meine Vorstellungen einer zukunftsfähigen Gesellschaft sind geprägt von den Grundsätzen einer nachhaltigen Entwicklung. Dazu zählen:
• Der nachhaltige Umgang mit (natürlichen) Ressourcen, ein sparsamer Umgang mit Energie und der Schutz der biologischen Vielfalt
• Werte wie Toleranz, Frieden und soziale Gerechtigkeit, Demokratie, bürgerliche Mitbestimmung
• Bekämpfung von Armut und Hunger
• Sauberes Wasser und Zugang zu sanitären Einrichtungen
• Wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand

Leitspruch: Heute nicht auf Kosten von morgen und auf Kosten anderer Leben!

DWA Landesverband Bayern
Prof. Dr.-Ing. F. Wolfgang Günthert

12. Januar 2019

Mein Beruflicher Schwerpunkt für den Klimaschutz: Information und Beratung zu Klimafolgen. Privat lege ich möglichst viele Wege mit Fahrrad oder ÖPNV zurück.
Ein persönliches Ziel ist ein sparsamer Umgang mit den Ressourcen insbesondere mit nicht erneuerbaren.
Unterstützung hierbei ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten und Verbänden, eine gute Öffentlichkeitsarbeit und die Einbeziehung aller Medien.


Oberbürgermeister Stadt Nürnberg
Dr. Ulrich Maly

20. Dezember 2018

Die Stadt Nürnberg befasst sich seit langem intensiv mit den Themen Energieeinsparung, Klimaschutz und seit einigen Jahren auch mit der Anpassung an den Klimawandel.
Beispielsweise wurden vom Referat für Umwelt und Gesundheit bereits zwei Klimaschutzfahrpläne für die Zeiträume „1990–2000“ und „2000–2010“ entwickelt. Im Jahr 2012 wurden der „Energienutzungsplan 2030“ sowie die „Energieeffizienzstrategie Nürnberg 2050“ verfasst. Diese Studien waren Grundlage für den langfristig angelegten „Klimafahrplan 2010–2050“, der im Juli 2014 dem Nürnberger Stadtrat zum Beschluss vorgelegt wurde. Zentrale Ziele sind:
• Reduktion der CO2-Emmission um 80% bis zum Jahr 2050
• 20/20/20-Ziel bis 2020 (20% Reduktion, 20% Effizienzsteigerung und 20% Erneuerbare Energien)
• Weiterentwicklung von Umsetzungsstrategien zur Klimaanpassung

Der Klimafahrplan beinhaltet einerseits „Strategien und Maßnahmen zum Klimaschutz mitigation“, als auch andererseits das Themenfeld „Anpassung an den Klimawandel adaption“ und legt dar, welche konkreten Maßnahmen notwendig sind, um die ambitionierten Ziele bis 2050 erreichen zu können.

Die großen aktuellen Themen einer zukunftsfähigen Gesellschaft sind aus unserer Sicht: Klimaschutz und Energiewende, Gestaltung der alle gesellschaftlichen Bereiche erfassenden Digitalisierung, nachhaltige Mobilität, gesunde Ernährung, Sicherung der Qualität der lebensspendenden Ressourcen Wasser, Luft und Boden sowie der biologischen Vielfalt in Stadt und Region.

In allen Fällen bedarf es innovativer Kräfte und konstruktiver Entwicklungskonzepte, um die Stadt als solidarische Gemeinschaft freier und gleicher Bürger und Bürgerinnen in die Zukunft zu führen.

Stadtwerke München
Pia Eichenseer

18. Dezember 2018

Unser strategisches Ziel ist es, bis 2040 die CO2-Emisstionen unserer Leistungen um 80% zu reduzieren. Dafür gibt es mehrere Ansatzpunkte: Seit vielen Jahren sind die SWM mit ihrer Ausbauoffensive Erneuerbare Energien bei Strom und der Geothermie bei Wärme ein Vorreiter der deutschen Energiewende. Die SWM wollen bis zum Jahr 2025 so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, wie ganz München verbraucht. Aber nicht nur im Strom-, auch im Wärmebereich haben die Stadtwerke ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2040 soll die gesamte Fernwärme in München komplett CO2-frei bereitgestellt werden. Dafür werden wir überwiegend auf Tiefengeothermie zurückgreifen. Die Möglichkeit, Tiefengeothermie für die Fernwärmeversorgung erschließen zu können, ist ein großer Vorteil im Hinblick auf die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Im Vergleich zu vielen anderen Städten verfügt München hier über einen energetischen Schatz, der die Erreichbarkeit der gesteckten Klimaschutzziele erheblich erleichtern wird.

Die ökologische Ausrichtung unseres Unternehmens und die Nachhaltigkeit unserer Leistungen werden wir auf alle Leistungen ausweiten und so die ökologische Gesamtbilanz unserer Leistungen bis 2040 weiter deutlich verbessern. Zusätzlich zu unseren Zielen bei den Erneuerbaren für Strom und Wärme möchten wir die Emissionen unserer Mobilitätsangebote durch einen schrittweisen Umstieg auf alternative Antriebstechnologien reduzieren. Gleichzeitig möchten wir unsere Mobilitätsangebote so ausbauen und managen, dass es München zukünftig gelingt, eine Quote von 80% des innerstädtischen Verkehrs im sogenannten Umweltverbund (ÖPNV, Fahrrad, Fußgänger) zu erreichen. Zudem wollen wir unsere Bäderlandschaft CO2-neutral betreiben.

Bundesverband CarSharing
Willi Loose

11. Dezember 2018

Unser Ansatzpunkt und der unserer Mitglieder ist in erster Linie die Bereitstellung eines Mobilitätsangebotes, das Menschen eine Alternative zum Eigentum an einem privaten Auto bietet. Die Erkenntnisse der Verkehrswissenschaft zeigen eindeutig, dass das Eigentum eines privaten Autos im Haushalt bzw. die ständige Verfügbarkeit eines Dienstwagens zur privaten Nutzung maßgeblich das alltägliche Verkehrsverhalten prägen. Wer ständig ein Auto zur alltäglichen Nutzung von der Haustür zur Verfügung hat, nutzt es häufiger, als Sachzwänge es erfordern. Das geht zu Lasten der Nutzung umweltfreundlicher und klimaentlastender Verkehrsangebote (z.B. Bus& Bahn, Fahrrad, eigenständige Fußwege) und produziert damit höhere CO2-Emissionen, als ein nachhaltiges Verkehrsverhalten erlauben würde.
Wir haben dazu kürzlich aktuelle Ergebnisse aus Befragungen von Kunden unterschiedlicher CarSharing-Varianten veröffentlicht. Dadurch ist es uns möglich, mit einem Untersuchungsdesign die Entlastungsleistung der einzelnen Varianten und ihrer Kombinationen vergleichend darzustellen.
Befragt wurden die Kunden in drei innerstädtischen, urbanen Wohngebieten in Frankfurt am Main, Köln und Stuttgart, die sich durch optimale Bedingungen für multimodale Verkehrsangebote auszeichnen.
Die Kunden der dort vorhandenen stationsbasierten CarSharing-Anbieter haben ihren ursprünglichen, bereits relativ niedrigen Autobestand um 66% reduziert und leben nun zu 81% in autofreien Haushalten. Diese Haushalte haben heute eine Motorisierungsquote von 108 Pkw pro 1000 Personen in den befragten Haushalten. Diese Menschen nutzen überwiegend die Verkehrsmittel des Umweltverbundes für ihre Alltags- und Freizeitwege. Das CarSharing-Fahrzeug wird in der Regel weniger als einmal pro Monat gebucht und deckt den übriggebliebenen Bedarf an Automobilität ab.
Etwa die gleichen Relationen weisen die Kunden kombinierter Angebote auf, bei denen bei demselben Anbieter sowohl stationsbasierte Fahrzeuge als auch free-floating Fahrzeuge aus einer Hand angeboten werden: Deren Autobestand ist um 64% reduziert worden, bei heute 78% autofreien Haushalten und einer Motorisierungsquote von 104 Pkw auf 1000 Personen. Im Gegensatz dazu weisen Nutzer der drei Untersuchungsräume, die ausschließlich die free-floating Angebote nutzen, eine Motorisierungsquote von 485 Pkw pro 1000 Personen auf. Ihr Autobestand hat sich nur um 5% verringert, sie leben zu 32% in autofreien Haushalten. Kombinierer, die sowohl bei einem reinen free-floating Anbieter als auch bei einem stationsbasierten Angebot angemeldet sind, zeigen Merkmale, die nahe an die von stationsbasierten oder kombinierten Kunden herankommen (Autobestand um 42% verringert, 68% in autofreien Haushalten bei einer Motorisierungsquote von 173 Pkw auf 1000 Personen).
Aus diesen Erkenntnissen ergeben sich einige Handlungsmöglichkeiten für die Politik, die wir in einem fact sheet zum Thema ausgeführt haben (siehe CarSharing fact sheet Nr. 7, https://carsharing.de/alles-ueber-carsharing/carsharing-fact-sheets).
Als Vorstellung für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Verkehrssystem möchten wir, dass die verfügbaren Verkehrsmittel zukünftig von Weg zu Weg flexibel, je nach ihren individuellen Stärken, eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass es sehr viel weniger motorisierte Verkehrsmittel im individuellen Eigentum gibt. Die geteilte Nutzung von motorisierten Verkehrsmitteln sollte üblich werden. Das Umweltbundesamt hat als Zielvorstellung eines zukunftsfähigen Stadtverkehrs eine Motorisierungsquote von 150 Pkw auf 1000 Einwohner ausgegeben. Sie sehen, dass die Nutzer des stationsbasierten und des kombinierten CarSharing in innenstadtnahen Wohnquartieren bereits heute diesen Schwellenwert unterschreiten. Da dies jedoch eine Best Case-Betrachtung von Stadtquartieren unter optimaler Voraussetzung für eine multimodale Verkehrsgestaltung ist, haben wir noch einen weiten Weg bis dahin vor uns.

Häufig werden unsere Mitglieder mit der Frage konfrontiert, warum sie aus Gründen des Klimaschutzes nicht mehr Elektrofahrzeuge in ihren Flotten einsetzen. Es gibt darauf eine einfache Antwort. Weil sich diese bisher wirtschaftlich nicht rechnen. CarSharing-Angebote rechnen sich generell nur dann, wenn sie sehr kostensparsam umgesetzt werden. Die Nutzungstarife sind sehr knapp kalkuliert und die Überschüsse am Ende des Jahres sind nicht sehr üppig (CarSharing-Angebote von Autoherstellern rechnen hier sicherlich anders und können sich größere Defizite leisten). Die am Ende des Jahres erwirtschafteten Überschüsse werden in der Regel vollständig in das Fahrzeugwachstum des folgenden Jahres investiert. Unter diesen Bedingungen können es sich die Anbieter nicht leisten, auf Dauer unwirtschaftliche Angebote durchzuhalten. Dazu gehören aufgrund niedrigerer Fahrzeugauslastungen und höherer Investitionskosten bisher noch die Elektrofahrzeuge. Trotzdem werden in den heutigen CarSharing Flotten gut 10% Elektrofahrzeuge eingesetzt, das ist um den Faktor 50 höher als in privaten Flotten oder in Unternehmensfuhrparks. Mehr geht erst, wenn die Anschaffungskosten der Elektrofahrzeuge spürbar sinken.
Wir haben diese Argumente in einem weiteren CarSharing fact sheet Nr.5 zusammengestellt.

Vier Fünftel der Wege beginnen oder enden an der eigenen Wohnung. Die Mobilitätsangebote vor der Wohnungstür haben – neben persönlichen Präferenzen und Voraussetzungen – großen Einfluss darauf, mit welchen Verkehrsmitteln diese Wege zurückgelegt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen der Wohnungswirtschaft und örtlichen CarSharing-Anbietern ist eine Möglichkeit, den Autobesitz in Wohnprojekten zu senken und trotzdem alle Mobilitätschancen zu gewährleisten.
Hier sehen wir eine Unterstützungsmöglichkeit durch den Berufsstand der Architekten, indem er über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen der Wohnungswirtschaft und CarSharing-Anbietern informiert und aktiv in deren Entwurfsgestaltung aufnimmt. In Neubauprojekten könnte damit ein Anreiz geschaffen werden, dass Mobilitätsgewohnheiten von Neubürgern mit dem Umzug in eine neue Wohnung aufgebrochen werden und diese mit weniger Autos in die neuen Wohnquartiere einziehen als sie vorher zur privaten Nutzung zur Verfügung hatten.
In unserem aktuellen CarSharing fact sheet Nr. 6 haben wir einige gute Beispiele der Zusammenarbeit von Wohnungsunternehmen und CarSharing-Anbietern im Neubau und im Bestandsquartier zusammengetragen.

VBIO LV Bayern
Dipl. Biol. Peter Niesslbeck

10. Dezember 2018

Aktiv arbeiten wir als Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO) LV Bayern seit 2006 in der Klimaallianz Bayern und 2015–2020 auch wieder im 5. Umweltpakt Bayern mit eigenen Projekten mit.
Unser Hauptanliegen in der Klimapolitik ist, den wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen Klimawandel, Klimafolgen und den nötigen Klimaanpassungsstrategien darzulegen sowie die Notwendigkeit der Klimaschutzziele zu verdeutlichen und Wirtschaft und Politik beim Umwelt- und Klimaschutz zu unterstützen.
Der Verlust der Biodiversität ist neben dem Klimawandel unser größtes globales Problem und zudem eng mit dem Klimawandel verbunden. Wir setzen uns für verstärkte Biodiversitätsforschung und den Schutz der Biodiversität sowie für ein Biodiversitätsmanagement in der Wirtschaft im Rahmen der CSR ein.
Neben dem Klimaschutz sind uns auch alle weiteren fachlichen Umweltthemen im Bereich Wasser, Boden, Luft und eine nachhaltigere (Land-)Wirtschaft sowie der Wandel in unserer Wirtschaft zu einer nachhaltigen Bioökonomie wichtig.

Eine zukunftsfähige Gesellschaft kann nur mit einer energie- und ressourcenschonenden, also kreislaufbasierten Wirtschaft erfolgen. Regenerative Energien und Recycling stehen dabei an erster Stelle, gefolgt von umwelt- und ressourcenschonenden Lifecycle- und C2C-Strategien
Der VBIO LV Bayern setzt sich hier mit seiner breiten Kompetenz in den Lebenswissenschaften und den benachbarten Natur- und Ingenieurwissenschaften ein.

Als (Dach-)Verband der Biowissenschaften wünschen wir uns eine stärkere Kooperation im Bereich der wissenschaftlichen Transfers, der F&E, der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Verfahren und Produkte und die Kooperation mit der Praxis zur Verbesserung in der Anwendung.
Unser Angebot ist, übergreifende Arbeitsgruppen bzw. Veranstaltungen verstärkt zu nutzen und Wissen zum gegenseitigen Nutzen weiterzuentwickeln.

Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks
Dipl.-Ing. Günther Hartmann

27. November 2018

Holz besitzt als nachwachsender Rohstoff eine gänzlich andere CO2-Bilanz als künstlich hergestellte Materialien. Bei seinem Wachstum bindet es große Mengen CO2. Und bei seiner Ernte und Bearbeitung wird nur ein Bruchteil davon wieder freigesetzt. Der Großteil des gebundenen CO2 bleibt bei der Nutzung von Holz als Baustoff für weitere Jahrzehnte bis Jahrhunderte gebunden. Zusammen mit nachhaltiger Forstwirtschaft sorgt Bauen mit Holz für die im jüngsten IPCC-Bericht geforderten „negativen CO2-Emissionen“. Und das sofort, nicht irgendwann in ferner Zukunft.

Eine zukunftsfähige Gesellschaft muss ihre CO2-Gesamtbilanz so schnell wie möglich so stark wie möglich auf null reduzieren. Den zur Energieerzeugung nicht vermeidbaren CO2-Emissionen müssen gleich hohe „negative CO2-Emissionen“ gegenüberstehen. Letztere lassen sich durch Vergrößern der Waldflächen, Intensivieren nachhaltiger Forstwirtschaft und Intensivieren von Bauen mit Holz erhöhen.

Um den Architekten das Planen zu erleichtern, wurde von der TU München in den vergangenen Jahren die Onlineplattform www.dataholz.eu entwickelt und kürzlich veröffentlicht. Nun müssen die Architekten über deren Existenz sowie über die Vorteile und das Vorgehen bei deren Nutzung informiert werden. Für ersteres braucht es entsprechende Hinweise in den Medien (Mitgliederzeitschrift, Internet, Newsletter), für letzteres Seminarangebote.

Dipl. Ing. Architekt
Stephan Gilbert

19. November 2018

Nach einigen Jahren Berufserfahrung in ‚klassischen‘ Architektur-/Planungsbüros war es mir ein Anliegen, nachhaltigere Planungs- und Bauprozesse sowohl für uns als kleines Planungsbüro als auch für die Bauherren umzusetzen. Wir haben uns daher auf die Planung und den Bau ausschließlich von Massivhholzhäusern in einer lokalen/regionalen Architektursprache konzentriert. Unser Ansatz ist es, unsere Bauherren, welche von Haus aus bereits einen hohen qualitativen und ökologische Anspruch haben, davon zu überzeugen, Ihr Gebäude in möglichst vielen Bereichen „nachhaltig“ bauen zu lassen. Diese Nachhaltigkeit beschränkt sich für uns nicht nur auf die bekannten Nachhaltigkeitsthemen:
- Geringstmöglichen Energieverbrauch mit geringstmöglichem technischen Aufwand: thermisch optimierte Bauteile mit hoher Wärmedämmung und hoher thermischer Trägheit für nachhaltig reduzierten Energieverbrauch bei hohem Behaglichkeitsfaktor und geringem technischem Wartungsaufwand.
- Verringerung von CO2-Ausstoß, inkl. lokaler Emission durch Holzverbrennung: Vermeidung von fossilen Brennstoffen, selbstverständlich keine Öl-/Gasheizungen, aber auch die Vermeidung von Holz-/Pelletheizungen (= lokale CO2-Emission) zugunsten von strombasierten Heizsystemen in Kombination mit Photovoltaikunterstützung (zugegebenermaßen profitieren wir in unserer Region von hohem Anteil an Wasserkraft im öffentlichen Stromnetz, was nicht in allen Regionen gegeben ist): nachhaltige Reduzierung von lokalen Emissionen
- Größtmöglicher Einsatz von regional produzierten Holzbaustoffen: bindet nachhaltig & langfristig CO2 in Bauteilen und führt in Produktion und Transport zu (deutlich) geringeren CO2-Emissionen gegenüber anderen Baustoffen.
- Solide, dauerhafte Bauweise: nachhaltige Reduzierung von Abfall und Bauschutt, da wir behaupten, dass unsere Gebäude sowohl bautechnisch als auch architektonisch eine überdurchschnittliche ‚Halbwertszeit‘ gegenüber anderen zeitgenössischen Bauweisen haben. Und im Fall eines Rückbaus geringstmöglichen Sondermüll hinterlassen.
- Lokal sich in ein Ensemble einfügende Architektursprache: für nachhaltige Akzeptanz moderner Architektur und ökologischer Bauweise auch im ländlichen Bereich

Wir versuchen im Kleinen, unsere Mitmenschen persönlich für eine nachhaltigere Lebensweise zu begeistern – statt zu belehren. Eine zukunftsfähige Gesellschaft muss selbstverständlich auch politisch unterstützt werden, aber im Wesentlichen von innen heraus, also aus der Bürgerschaft getragen werden.

Unterstützung erhoffen wir uns durch klarere und langfristig orientierte Politik: Zum Beispiel ist der oft sehr kurzfristige Gesinnungswandel in der Förderung von Solarstrom hinderlich für langfristige Investitions-Sicherheit. Auch der Glaube von Endkunden und Investoren an alternative Energien als auch wirtschaftlich nachhaltige Lösung wird dadurch unterwandert. Anderes Beispiel ist das Aufheben der Kennzeichnung von HBCD-haltigen Polystyrol-Dämmungen als Sondermüll aufgrund eines „Entsorgungsengpasses“. Damit erscheint die Politik als Steigbügelhalter für Produzenten von kostengünstigen Baustoffen anstatt langfristig nachhaltiges Bauen zu fördern. Meiner Meinung nach benötigen wir nicht mehr Förderung, sondern klarer orientierte, klar kommunizierte und langfristige Zielvorgaben der Politik.