Bayerische Architektenkammer
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Bundesgeschäftsstelle Deutscher Alpenverein
München
Bundesgeschäftsstelle DAV;
Foto:
Lanz, Schels, Pk. Odessa
Eingangsbereich Empfang;
Foto:
Lanz, Schels, Pk. Odessa
Zustand vorher;
Foto:
ELEMENT A Architekten
begrünte Fassade;
Foto:
Lanz, Schels, Pk. Odessa
Zustand nachher;
Foto:
Lanz, Schels, Pk. Odessa
Multispace;
Foto:
Lanz, Schels, Pk. Odessa
Begrünter Holzbau in der Parkstadt;
Foto:
Lanz, Schels, Pk. Odessa
Grundriss EG;
Foto:
ELEMENT A . Architekten BDA Christian Taufenbach
Cafeteria mit Holzhybriddecke;
Foto:
Lanz, Schels, Pk. Odessa
BEISPIELHAFT
Bundesgeschäftsstelle Deutscher Alpenverein
Ein ungenutztes Bürogebäude wurde für den Deutschen Alpenverein
ressourcenschonend revitalisiert und aufgestockt. Von außen bleibt verborgen, dass der Betonkern des Altbaus erhalten wurde: Zwei neue Stockwerke und ein vorgebautes Atrium als Holz-Massivbau umschließen den Bestand des typischen Bürogebäudes aus den 1970er-Jahren. Neu versiegelt wurde lediglich die Fläche des nördlich angebauten Atriums, während der Konferenzbereich auf der bestehenden Decke der Tiefgarage errichtet wurde. Alle Dachflächen sind heute begrünt.
Dieses Konzept von „Sanierung statt Neubau“ und das Aufstocken in Holzbauweise lässt sich auf viele weitere "ausgediente" Bürogebäude anwenden – eine Antwort zum Thema nachhaltige Weiternutzung und Verdichtung. Dabei sind allerdings die vielen baulichen Sonderfälle beim Umbauen und Erweitern von Gebäuden zu berücksichtigen.
Aussagen zur Quantität - Qualität
Es entstanden 277 Arbeitsplätze in Multispace-Büros. Auch die
Geschäftsführung arbeitet auf der offenen Bürofläche.
Im Vergleich mit dem heute gültigen, bereits um 25% verknappten Flächenschlüssel der Immobilienverwaltung des Bundes von 18 m2 ergibt sich für den Alpenverein ein gleichartig ermittelter Schlüssel von 11,3 m2.
Welchen besonderen Beitrag liefert das Projekt zum Flächensparen
Verdichtung durch Erhalt der Substanz und Aufstockung, Ver- und Aufwertung eines Bestandsgrundstücks inmitten der Parkstadt Schwabing. Zudem ein Beispiel für Suffizienz: Weglassen von allem Unnötigen.
Handlungsfelder
Vorhandenes Nutzen / Bauen im Bestand
Sanierung / Umbau / Revitalisierung
Die Sanierung demonstriert eindrucksvoll, dass nahezu unmögliche Umbauten (Multispacebüros: Deckenhöhe von 2,70m!) dennoch machbar sein können – wegeisend für Tausende ungeliebte Bürogebäude.
Anbau / Erweiterung
Das Bestandsgebäude wurde um eine Holztreppe mit einladendem Foyer, einen Konferenzraum und zwei neue Stockwerken erweitert. Die oberirdische BGF erhöhte sich dadurch um 69%.
Aufstockung
Die beiden aufgestockten Stockwerke wurden aus ökologischen und Gewichtsgründen in Holz-Hybridbauweise ausgeführt. Neben Büroräumen bieten sie Raum für eine Cafeteria mit attraktiver Dachterrasse.
Umnutzung/ Nutzungserweiterung/ Mehrfachnutzung
Ein moderner Konferenzraum – mit Boulderwand an der Fassade – ist über mobile Wände variabel als Konferenzraum/-räume bzw. mit dem Vorraum als Veranstaltungsfläche nutzbar.
Erhalt / Denkmalschutz
Erhalten wurde die Betonkonstruktion des Bestands. Viel zu hohe Brüstungen wurden entfernt und Betondecken als "Aktivierungsmasse" des Klimakonzeptes und für eine ausreichende Deckenhöhe freigelegt.
Sonstiges
Verzicht auf Klimaanlage, stattdessen Lüftungsklappen und innen liegende Luftschächte für die Nachströmung der Luft
Innen statt Außen
Belebung, Stärkung, Nutzungsmischung im bestehenden Siedlungsgefüge der letzten Jahrzehnte
Das hölzerne, beinahe rundum begrünte DAV-Gebäude ist der Alien in der gläsern-metallenen Parkstadt Schwabing. Gerne nutzen auch DAV-Fremde die allen offene Boulderwand.
Nutzungsvielfalt und Mehrfachnutzung von Räumen und Freiräumen
Über 4 Geschosse wurde eine ca. 1,5 m tiefe Holzstruktur errichtet und mit Pflanzkästen bestückt und begrünt, sie dient ebenfalls zum Unterhalt und zur Reinigung der Fassade.
qualitätsvolle, dichte, kompakte Bauweise
Qualitätvoll eingerichtete Multispace-Büros und Holz kennzeichnen das Gebäude.
Sonstiges
Suffizienz: Keine PV auf meist beschattetem Dach, keine erst nach über 40 Jahren CO2-positive Wärmerückgewinnung, keine Jalousien an stets verschatteten Fenstern hinter Sträuchern
ruhender - fließender Verkehr / Mobilität
Innovative Mobilitätskonzepte
Viele Mitarbeitende des DAV sind fahrradaffin, der ÖPNV ist unmittelbar nebenan. Zudem bietet das Gebäude Wallboxen für Elektroautos.
Fokus Vermeidung von Flächeninanspruchnahme, -versiegelung, -zerschneidung
In der Parkstadt Schwabing mit Münchens exorbitanten Grundstückspreisen ist eine Maximalausnutzung des Grundstücks Usus. Hier bietet die Wandbegrünung "vertikale" Gärten, die den Park fortsetzen.
Steckbrief
Bestandsanalyse / Ausgangssituation
Lage/ Art der Fläche
- Bebauungsplan vorhanden
- bereits erschlossenes Grundstück
- Neue Nutzung eines Grundstücks
Art der bisherigen Nutzung / Ausgangssituation
Bestandsgebäude mit 4 Vollgeschossen + Tiefgarage
(alle Zahlen ohne UG)
Bauweise
Betongebäude mit Alu-Fassade
Baujahr
Anfang 1970er-Jahre
Nutzfläche
2.336,9 m²
Bruttogeschossfläche
4.133,8 m²
Grundstücksfläche / Planungsumgriff
2.320 m²
GRZ
0,44
GFZ
1,78
Vollgeschosse
4
Maßnahmen zum Flächensparen
Art der neuen flächensparenden Nutzung
mehrjähriger Leerstand, jetzt Büroflächen sowie Cafeteria mit Dachterrasse und begrüntem Dach, Boulderwand für das Quartier
Bauweise
Decken Holz-Hybrid-Konstruktion, 97% PR-Fassade in Holzkonstruktion, mit vorgestelltem Holzgerüst
Herausforderung in der Statik
Aufstocken um 2 Stockwerke auf 70er Jahre Bestand
Weitere qualitative Aspekte beim Flächensparen
Boulderwand frei nutzbar, Bienenstöcke auf dem begrünten Dach neben der für alle Mitarbeitenden zugänglichen Dachterrasse
Geschossfläche
5.974,5 m²
Nutzfläche
3.581,6 m²
Fertigstellung der Maßnahme
2021
GRZ
0,52
GFZ
2,58
Vollgeschosse
6
Nutzfläche / pro Nutzer
12,9 m²
Arbeitsplätze / Gewerbeeinheiten
277
Sonstige Angaben
Förderung/ Finanzierung/ Kosten
Effizienzhaus 70 (Bestandsgeschosse), Effizienzhaus 55 (Erweiterungen). KG 300: 11.734.000 €, KG 400: 4.686.300 €
Kooperationspartner
Aufwändiges Klimaengeneering in Kooperation Transsolar Energietechnik
Preise/ Auszeichnungen
Deutscher Holzbaupreis 2023, Finalist DAM-Preis, Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur, Deutscher Architekturpreis, BDA Bayern
Standort
Anni-Albers-Straße 7
München
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OrtMünchen
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RegierungsbezirkMünchen
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TypologieVerwaltungsbauten
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FertigstellungFebruar 2021
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Auszeichnungsjahr2023
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Ursprungsbaujahr1970
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BauherrDeutscher Alpenverein e.V. (DAV) , München
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ArchitekturPlanung und Realisierung: Element A . Architekten . Christian Taufenbach und Andreas Kreft, MünchenChristian Taufenbach
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Mitarbeit
- Andreas Kreft
- Romuald Dehio
- Tobias Richter
- Ludmila Volk
- Saskia Weber
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ArchitekturKonzeption und Entwurf: hiendl_schineis architektenpartnerschaft, AugsburgStefan Hiendl, Regina Schineis
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MaßnahmeBauen im Bestand
- Sanierung/ Umbau/ Revitalisierung
- Aufstockung
- Anbau/ Erweiterung
- Erhalt/ Denkmalschutz
- Umnutzung/ Nutzungserweiterung/ Mehrfachnutzung
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Besondere Qualitäten
- Gebäudeplanung mit BIM
- Holzbau
- kreislauffähig
- Integrales Klimakonzept