Bayerische Architektenkammer
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Einödhof mit Glaskuben
Triftern
Leben und Arbeiten in den Glaskuben;
Foto:
Andrea Engelbrecht
Wohnstube im Blockbau;
Foto:
Reinhard Engelbrecht
Innen;
Foto:
Andrea Engelbrecht
Außen;
Foto:
Andrea Engelbrecht
...und dazwischen;
Foto:
Andrea Engelbrecht
Low-Tec/Low-Budget-Bad;
Foto:
Andrea Engelbrecht
Klimahülle;
Foto:
Andrea Engelbrecht
Neuinterpretation Kastenfenster;
Foto:
Andrea Engelbrecht
Vierseithof Grundriss;
Foto:
Reinhard Engelbrecht
transparente Fassade der Scheune;
Foto:
Iris Völkl
Blockbau/neuer Balkon;
Foto:
Andrea Engelbrecht
BEISPIELHAFT
Einödhof mit Glaskuben
Die Landwirtschaft wird aufgegeben, das Wohnhaus verfällt, die Stallungen und Wirtschaftsgebäude stehen leer oder werden im besten Fall als Lagerplatz genutzt. Eine ökonomische Nutzung des Hofes scheint nicht mehr möglich, der Renovierung der alten Wohngebäude wird - vor allem wenn Denkmalschutz besteht - der Umzug in ein neues Haus vorgezogen. Es folgen Stillstand und beginnender Verfall.
Mollnöd ist der Versuch, das Neue im Alten zu ermöglichen.
Da die Architekten für sich selbst bauen,nutzen sie die Chance zu experimentieren und mit den Grenzen von innen und außen zu spielen.
Nachhaltigkeit durch Umdenken, Umnutzen, Umbauen.
Welchen besonderen Beitrag liefert das Projekt zur Nachhaltigkeit
Ressourcenschonendes und kostengünstiges Bauen durch Upcycling und Lowtec; hohe regenerative Deckung des Energiebedarfs; individuelles Nutzungskonzept für ländliches Bauen im Bestand;
Handlungsfelder
Adaptivität und Suffizienz in der Ausführung
angewandte Maßnahmen in der Planung / Bauausführung
Übertragung einer Stadtstruktur auf ein Wohnhaus:
Dem städtischen Platz entspricht der gemeinschaftliche offene Zwischenraum.
Die darin liegenden neuen Raumkuben und die angrenzenden alten Gebäudeteile können auf wechselnde Weise verbunden und zugeordnet werden. Der Zwischenraum selbst lässt sich durch die großen Schiebetore variabel gestalten, vom offenen Raum an heißen Sommertagen zu einem witterungsgeschützen Raum in Regen- und Kälteperioden.
Die Installationsführung im Zwischenraum ermöglicht - ähnlich der öffentlichen Erschließung im Straßenraum - eine leichte Anpassung oder Ergänzung der technischen Infrastruktur.
Zirkuläre Wertschöpfung
angewandte Maßnahmen auf Bauteil- und Gebäudeebene
Der alte Hof war nahezu ein Musterbeispiel an Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit:
Holz, zimmermannsmäßig zusammengefügt, Lehm, Stroh, ein bisschen Kalk.
Daraus resultierend verfügt das alte Gebäude über ein großes Reparatur- und Instandsetzungspotenzial: Bestehendes kann - oft in Eigenleistung - repariert und instandgesetzt werden. Im Scheunenteil wird die vorhandene Struktur ertüchtigt,
die durch Stegplatten ersetzten Fassadenbretter für Zaunbau weiterverwendet.
Für die Glasfassaden der neuen Kuben werden Fenster und Türen verwendet, die aus einem Abbruch stammen und entsorgt werden sollten.
Holzskelett und Wand-/Deckenelemente sind vollständig rückbaubar.
besondere Aspekte auf Material-/Baustoff- und Bauteilebene.
Glaskuben:
Wände aus wiederverwendeten Fenstern;
Holz für Balken und Fussböden:
Fichte, Weißtanne, Weymouth-Kiefer aus umliegenden Wäldern;
Wandaufbau:
OSB-Platten, Hölzer, Holzfaserplatten, wiederzerlegbar;
Ziegel und Dachpfannen:
teilweise Verwendung alter Abbruchziegel,
Instandsetzung der Dachflächen mit (teils vorhandenen) alten Ziegeln;
Deckendämmung:
natürliche recycelbare Dämmstoffe, fallweise Holzfaser, Perlit oder Zelluloseflocken; Weiterverwendung alter, im Innenbau nicht mehr verwendbarer Bauteile für den Außenbereich:
Terrasse und Hochbeete aus alten Brettern und Balken, eine Pergola aus alten Eisenrohren etc.
Biodiversität und Artenvielfalt
besondere Maßnahmen
Erneuerung der Streuobstwiese mit alten Obst- und Wildobstsorten (als Hochstamm). Die wenigen noch erhaltenen alten und mittlerweile vergreisten Bäume bleiben als "Fledermausbäume" stehen:
Baumpflanzungen mit klimaresilienten Arten, hauptsächlich Laubbäumen;
Vogelschutzhecken; Fassade und Dachräume vogel-, fledermaus- und insektenfreundlich (das alten Haus ist und bleibt ein Insektenhotel); Wiederbereitstellung der Stall- und Weideflächen für ökologische Landwirtschaft/Viehhaltung, Schafe statt Mähroboter;
Kleinbiotope: Totholzhaufen, Schneiden von Kopfweiden, Magerwiesenentwicklung in den Randbereichen der Kiesflächen (Zufahrt, Innenhof); Beweidung der Wiesen durch Schafe, in großen Bereichen kein Einsatz von Mähfahrzeugen als Schutz für Bodenbrüter;
Klima- und Umweltschutz
besondere Maßnahmen
Schadstoffarme Farben und Oberflächenbehandlungen:
Holzböden: Lauge und Holzseife;
Fenster, Türen, Eisen- und Stahlträger:
Leinölfarben, Leinöl;
Oberflächenvergütung der Beton- und Estrichböden:
Verfestigung mit Wasserglas (Kaliumsilikat);
Versiegelung mit Bodenwachs;
Wasser: Nutzung des Brunnenwassers (oberflächennah, kein Trinkwasser) für Toilettenspülung, Nutzung der alten Güllegrube als Regenwasserzisterne (Gartenbewässerung, Löschwasser);
Standort
Mollnöd 1
Triftern
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OrtTriftern
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RegierungsbezirkNiederbayern
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TypologieWohnungsbau
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FertigstellungMärz 2021
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Auszeichnungsjahr2023
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Ursprungsbaujahr1850
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BauherrenAndrea und Reinhard Engelbrecht , Triftern
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Architektur
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Mitarbeit
- Reinhard Engelbrecht
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Denkmal / EnsembleDenkmal
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MaßnahmeBauen im Bestand
- Sanierung/ Umbau/ Revitalisierung
- Anbau/ Erweiterung
- Erhalt/ Denkmalschutz
- Umnutzung/ Nutzungserweiterung/ Mehrfachnutzung
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Besondere Qualitäten
- gesundes Bauen
- Holzbau
- kreislauffähig
- recycling up-/downcycling - kostengünstiges Bauen