BEISPIELHAFT
Erzbischöfliche Franziskus-Grundschule
Eine Obstbaumwiese im Süden, alter Baumbestand im Westen, wie in einem Park liegt die neue Grundschule in Haidhausen. Der Baukörper entwickelt sich aus einem sechseckigen Grundriss. Das Satteldach verläuft über die Mittelachse in Nord-Süd-Richtung. Markant sind die versetzt liegenden Einschnitte in das Raumvolumen. Der Neubau in Holzmassiv-Bauweise stellt sich damit einerseits als klassisches Schulhaus dar und lässt aber andererseits mit der Grundrissaufteilung den pädagogischen Ansatz – das Lernhauskonzept – erkennen.
Die Fassade wirkt im Sockelbereich monolithisch und ist in den Obergeschossen netzartig mit einer Leistenstruktur überzogen. Die darunterliegende, farbig gestaltete Holzfassade springt im Bereich der Klassenräume zurück, sodass dort Balkone entstehen. Mehrzweckraum, Mensa mit Küche, Werkbereich und Verwaltung sind im Erdgeschoss um die großzügige Pausenhalle angeordnet. Auch pädagogisch setzt die Schule den Schwerpunkt
im Bereich Ökologie und Nachhaltigkeit.
Welchen besonderen Beitrag liefert das Projekt zur Nachhaltigkeit
Die konsequente Verwendung von Holz, die offene, flexible Gestaltung der Räume und die naturnahe Umgebung bieten eine hohe Aufenthaltsqualität für die Schülerinnen und Schüler im Ganztagsunterricht.
Handlungsfelder
angewandte Maßnahmen in der Planung / Bauausführung
Das Besondere an diesem Schulbau ist die weitgehende Reduktion auf den Baustoff Holz in einem städtischen Kontext, was dem Wunsch der Bauherrschaft
nach leimfreiem Holz und Naturbaustoffen
entspricht. Ganz im Sinne einer kreislauffähigen
Rohstoffverwertung gehen bei Konstruktion und Gestaltung
pädagogische Idee und Architektur Hand in Hand, denn
der Schwerpunkt des Schulkonzeptes liegt auf Ökologie
und Nachhaltigkeit.
besondere soziokulturelle Aspekte auf städtebaulicher Ebene, die bei der Planung und Umsetzung berücksichtigt worden sind.
Baulandreserven im Innenbereich des Areals: Die neue Schule ist auf einer bestehenden Tiefgarage und durch Nachverdichtung eines innerstädtischen Quartiers entstanden. Besondere Qualität der gemeinschaftlichen Außenfläche: Der gemeinschaftlich genutzte Schulgarten bietet die Gelegenheit, die Natur mit allen Sinnen kennenzulernen. Der schonende Umgang mit Ressourcen und regionales und saisonales Essen kann so vermittelt werden.
besondere soziokulturelle Aspekte auf Gebäudeebene, die bei der Planung und Umsetzung berücksichtigt worden sind.
Die vielfältigen räumlichen Möglichkeiten erlauben
die Umsetzung eines modernen Unterrichtskonzepts.
Frontalunterricht wechselt sich mit Phasen
der Gruppen- und Einzelarbeit ab, in denen die
Schülerinnen und Schüler Lerninhalte selbst erarbeiten.
Gelernt wird nicht nur am Tisch im Klassenzimmer
mit fester Sitzordnung, sondern auch in
Sitzgruppen oder auf dem Teppich. Die Klassen
mit 20 bis 25 Kindern werden in Tandems von
jeweils einer Lehrerin und einer Erzieherin unterrichtet.
Während die Lehrkraft den Lernstoff vermittelt,
übernimmt die Erzieherin vor allem pädagogische
Aufgaben, unterstützt aber auch während
des Unterrichts. So können die Kinder individuell
gezielt gefördert werden.
Der Stundenplan ist als rhythmisierter Ganztag
mit Phasen des Unterrichts, der Freizeit und der
Erholung konzipiert.
angewandte Maßnahmen auf Bauteil- und Gebäudeebene
Die Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit war bei der Planung ein wichtiges Kriterium für Materialwahl und Detailentwicklung. Das betrifft den Hauptbaustoff Holz, der zu großem Teil leimfrei eingesetzt wurde, den weitgehenden Verzicht auf Verbundwerkstoffe und problembehaftete Beschichtungen, aber auch die Entwicklung von Detailknoten, die einen zerstörungsfreien Rückbau und mögliche Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien ermöglichen.
besondere Aspekte auf Material-/Baustoff- und Bauteilebene.
Die neue Franzikusgrundschule sollte aus möglichst schadstofffreien Materialien und leimfreiem Holz konstruiert werden. Unter anderem deswegen wurde eine leimfreie, gedübelte Holzdecke eingesetzt. Die Brettstapeldecken bleiben von unten sichtbar. Sie sind an der Unterseite geschlitzt und mit Akustikdämmstreifen
versehen, sodass keine abgehängten Decken
erforderlich waren. Zudem sollten Konstruktion und Ausführung auf eine Lebensdauer des Gebäudes von 100 Jahren hin optimiert werden. Brettsperrholzbauweise: Holz aus zertifizierten Anbau; FSC-Fassade: Holzverschalung aus heimischer Tanne, lösemittel- und biozidfreie Beschichtung. Naturbaustoffe waren bei diesem Projekt Vorgabe. Dadurch, dass die Bauherrschaft zudem Wert auf die Verwendung von schadstofffreien Materialien legte, konnte eine zirkuläre Verwendung von Baustoffen in der Zukunft ermöglicht werden. Die Holz-Beton-Verbunddecken sichern ein einfache Rückbaubarkeit.
besondere Maßnahmen
Aufwertung und teilweise Ergänzung der Randeingrünung zu einer naturnahen artenreichen Gehölzkulisse durch Ansaaten und Staudenpflanzungen. Auf den Erhalt und Schutz des Baumbestands, insbesondere auf den als Biotop geschützten Ahornbaum im Pausenhof, wurde in der Planung und auch in der Bauphase größter Wert gelegt. Neupflanzungen von heimischen Baum- und Straucharten. Naturnah gestalteter Spielbereich mit Findlingen und Baumstämmen. Anlage eines Schulgartens zur Umweltbildung der Schülerinnen und Schüler Kooperation mit Gemüseackerdemie, Schulbeet und Hochbeet für verschiedene Gemüse und Obstsorten.
Kooperation mit einem Stadtimker (Schulhonig). Pflege einer Marienkäfer-Kultur durch die Schülerinnen und Schüler.
besondere Maßnahmen
Die neue Franziskusgrundschule wurden für eine Lebensdauer von 100 Jahren geplant, indem alle wartungs- und witterungssensiblen Bauteile besonders robust geplant und mit besonderer Sorgfalt und externer Kontrolle umgesetzt wurden. Es wurden überwiegend schadstofffreie Baustoffe verbaut, und es wurde eine Raumluftmessung durchgeführt.
Standort
Preysingstraße 101
München