BEISPIELHAFT
Benediktinerkloster Plankstetten
Als 1. Baustein (2. Bauabschnitt) realisierten hirner & riehl architekten für die wachsende Zahl von Seminargästen
ein Seminargebäude, im Westen des Geländes. Die Einbindung des dreigeschossigen Neubaus in das historische und denkmalgeschützte Klosterensemble erfolgte unter Berücksichtigung der Belange des Denkmalschutzes. Das Gebäude reagiert auf die dort vorhandene Topographie und schmiegt sich im Westen der ehemaligen Wirtschaftsgebäude an den ansteigenden Hang. Der Baukörper nimmt sich zurück, der historische Klosterkomplex dominiert weiterhin das Sulztal. Neben 30 Gästezimmern beherbert der Erweiterungsbau des Klosters zusätzlich einen Kindergarten sowie Räume für die Pfarrverwaltung. Zwischen Neubau und Wirtschaftsgebäuden mit der barocken Prälatur entstand ein geschützter Außenraum für die Kinder. Im Sinne dieser ökologischen Grundeinstellung wurden Neubau und Bestandssanierung mit ökologisch + baubiologisch unbedenklichen Materialien geplant und gebaut.
Welchen besonderen Beitrag liefert das Projekt zur Nachhaltigkeit
Wo möglich ausschließlich C02-neutrale Baustoffe aus regionaler Herstellung; dauerhafte, gut alternde Materialien für einen langen Lebenszyklus; einfache Rückbaubarkeit und Wiederverwendbarkeit.
Handlungsfelder
angewandte Maßnahmen in der Planung / Bauausführung
Die Tragstruktur sowie die Installationskerne wurden so geplant, dass flexible Grundrisse und ein einfacher Umbau für eine andere Nutzung, wie z.B. Gästezimmer zu Büros möglich sind. Durch Variantenuntersuchungen zu den Grundrisslösungen und Bauteilen wurde eine hohe Flächeneffizienz erreicht.
besondere soziokulturelle Aspekte auf städtebaulicher Ebene, die bei der Planung und Umsetzung berücksichtigt worden sind.
Die soziale Nutzungsstruktur, soziale und öffentliche Einrichtungen, Gewerbe und Nahversorgung, wurde bei der Planung berücksichtigt. Mit den Gästezimmern des Seminarhauses, dem Kindergarten und den Büros für die Klosterverwaltung
wurden generationsspezifische Angebote geschaffen. Durch die geplanten und bereits ausgeführten Baumaßnahmen, die der funktionalen und energetischen Ertüchtigung dienen, wird der Fortbestand des Benediktinerklosters Plankstetten gesichert.
besondere soziokulturelle Aspekte auf Gebäudeebene, die bei der Planung und Umsetzung berücksichtigt worden sind.
Es wurde beim Haus St. Wunibald bewusst eine Fassade gewählt, die verwittert. Sie erzeugt dadurch keine Unterhaltskosten. Grundsätzlich wurden
schmutzunempfindliche Oberflächen und sehr robuste, langlebige Materialien gewählt, um die Betriebskosten und Instandhaltungskosten gering zu halten.
angewandte Maßnahmen auf Bauteil- und Gebäudeebene
Wand- und Dachkonstruktionen können sortenrein rückgebaut werden:
Wandkonstruktion: Holzstrohkonstruktion mit Lehmputz, Konstruktionshölzer sind unbehandelt bzw. Schalung mit Naturfarben behandelt und können wiederverwendet werden.
Gipsfaserplatten und Holzfaserdämmplatten können recycelt,
Stroh und Lehmputz können kompostiert, das Stroh kann zurück auf das Feld gebracht und eingeackert werden.
Dachkonstruktion: Aus Holz mit Strohdämmung, Dachschalung und Edelstahldeckung, kann ebenfalls wiederverwendet oder recycelt werden.
Deckenkonstruktion: Die Schichten der Fußbodenaufbauten können sortenrein zurückgebaut werden.
Regionale Wertschöpfung durch regionale ausführende Firmen.
Kurze Transportwege.
besondere Aspekte auf Material-/Baustoff- und Bauteilebene.
Der Rohbau wurde mit ökologisch &
baubiologisch unbedenklichen Materialien
geplant und gebaut. Neben der energetischen
Einhaltung des Passivhausstandards
kamen, soweit baukonstruktiv
möglich, nur CO2-neutrale Baustoffe aus
regionaler Herstellung zur Verwendung:
400 m³ Fichtenholz, 300 m³ Stroh von eigenen Klosterfeldern und Klosterforst. Hoher Vorfertigungsgrad des Gebäudes, moderne Produktionsverfahren, serielles Bauen.
100 strohgefüllte Wandelemente,
25 Massivholz-Deckenelemente, 30 Dachelemente. Moderne Interpretation der Mann-an Mann-Decke
nach historischem Vorbild Prälatensaal, verschraubte
Deckenelemente aus Holzbalken. Größter Holzstrohbau in Südddeutschland, zeigt dass Einsatz von Holz und Stroh auch für Bauten
dieser Größenordnung möglich ist. Abbruchmaterialien der alten Turnhalle wurden vor Ort aufbereitet und als Verfüllmaterial
wiederverwendet. Kreislauffähige Materialverwendung, Holz, Stroh, Hanf, Lehm, kurze Transportwege, regionale Wertschöpfung.
besondere Maßnahmen
Anbau von heimischem Baumbestand, insbesondere Obstbäumen. Der unmittelbar an das Gebäude angrenzende
Hangabschnitt wurde als Sukzessionsfläche freigegeben, so kann sich der Bestand neu entwickeln. Aktive Maßnahmen für
Fledermäuse im Altbau der Klosteranlagen in nahem Umfeld des Neubaus.
besondere Maßnahmen
Soweit baukonstruktiv möglich, wurden nur CO2-neutrale Baustoffe aus regionaler Herstellung verwendet. Damit das gute Raumklima, das durch Holz, Stroh und Lehm erreicht wird, nicht beeinträchtigt wird, wurde auf schadstofffreie/schadstoffarme Baustoffe Wert gelegt. Die Fassade wurde mit Leinölfarbe gestrichen, die Böden nur gelaugt, die Wände diffusionsoffen
gestrichen, es wurde weitestgehend auf Klebstoffe verzichtet. Die Strohballen wurden in die Gefache gepresst, die
Deckenhölzer mit Holzdübeln verbunden, der Lehm innen direkt auf das Stroh geputzt sowie das Gebäude außen mit Holz
verschalt. Für die Herstellung der genannten Baustoffe wurde wenig Energie benötigt. Während der Nutzungszeit muss kaum
Energie eingesetzt werden, um das Gebäude instand zu halten. Das Gebäude erreicht mit seiner Dämmung aus Stoh annähernd den Passivhausstandard + benötigt in der Nutzungszeit kaum Heizenergie. Die gewählte Bauweise weist so für den gesamten Lebenszyklus eine hervorragende Ökobilanz auf.
Standort
Klosterplatz 1
Berching