Bayerische Architektenkammer
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Erweiterung Landratsamt
Starnberg
Ansicht;
Foto:
Aldo Amoretti
Foyer;
Foto:
Aldo Amoretti
Detail Ansicht Fassade Laubengang;
Foto:
Aldo Amoretti
Freiflächen;
Foto:
Aldo Amoretti
Holzhybrid-Bauweise;
Foto:
Auer Weber
Foyer;
Foto:
Aldo Amoretti
Besprechungsraum;
Foto:
Aldo Amoretti
Büro;
Foto:
Aldo Amoretti
Fassadenansicht;
Foto:
Aldo Amoretti
Büro;
Foto:
Aldo Amoretti
Luftaufnahme;
Foto:
Aldo Amoretti
Lageplan;
Foto:
Auer Weber
BEISPIELHAFT
Erweiterung Landratsamt
Im Wettbewerbsbeitrag von 1982 definierten Auer Weber die Grundzüge des
Landratsamts Starnberg. 1985 bis 1987 wurde das Bestandsgebäude – eine Hybridkonstruktion aus Holz, Stahl und Beton in modularer Bauweise errichtet. Seit 35 Jahren ist die Anlage, die an große Vorbilder fernöstlicher Baukultur
im alten Japan erinnert, eine nicht mehr wegzudenkende Landmarke von Starnberg und zeigt sich als moderne und offene Behörde. Aufgrund der über die Zeit stark gestiegene Anzahl an Mitarbeitenden wurde eine Erweiterung notwendig. Der Anbau sollte neben Besprechungs- und Sozialräumen 160 neue Arbeitsplätze beherbergen sowie sich funktional und architektonisch an das bereits Vorhandene anschließen. Die zweigeschossige Kammstruktur mit ihren großzügigen Grünflächen wurde dabei übernommen, adaptiert und an die aktuellen Anforderungen angepasst. Hierbei waren die höher anzusetzenden Lasten in der Statik, die strengeren Brandschutzanforderungen und die energetischen Vorgaben zu berücksichtigen.
Welchen besonderen Beitrag liefert das Projekt zur Nachhaltigkeit
Die Erweiterung überträgt die 35-Jahre alte Konstruktion auf die heutige Zeit. Die gestiegenen baulichen und energetischen Anforderungen wurden integriert und das vertraute Bild des Ensembles bewahrt.
Handlungsfelder
Adaptivität und Suffizienz in der Ausführung
angewandte Maßnahmen in der Planung / Bauausführung
Die Erweiterung wurde so konzipiert, dass der Anbau sowohl in seiner äußeren als auch inneren Gestalt weitestgehend dem Bestand gleicht und kein Bruch zwischen Bestehendem und Zugefügtem entsteht.
Die Konstruktion des Anbaus ist - wie der Bestand - auf einem durchgehenden Ausbauraster von 1,2 m aufgebaut. Dies betrifft auch die Haustechnik wie Beleuchtung, Bodentanks, Lüftungsauslässe sowie die Ansteuerbarkeit der Bauteilaktivierung und der Elektrik über ein BUS-System. Somit können Büroräume bei Bedarf mit geringem Aufwand umgebaut werden.
Die Büroräume haben eine Achsbreite von 4,8 m und können flexibel als Doppel- oder Einzelbüro mit Besprechungsbereich genutzt werden.
Nachinstallationen über Revisionsöffnungen sind jederzeit möglich.
Die Beleuchtung erfolgt ausschließlich mit LED-Leuchtmitteln, die über Präsenzmelder gesteuert sind und den Verbrauch minimieren.
soziokulturelle Nachhaltigkeit
besondere soziokulturelle Aspekte auf städtebaulicher Ebene, die bei der Planung und Umsetzung berücksichtigt worden sind.
Unter einem zusammenhängenden, flach geneigten Dachschirm öffnet sich der feingliedrige Bau zur Landschaft. Obwohl nicht direkt am Seeufer gelegen, reicht das Wasser des Sees über die verlängerten Kanäle bis an das Bestandsgebäude.
Als Standort für die Erweiterung wurde nach Varianten-Untersuchung der südwestliche Bereich des Grundstücks gewählt, um die bestehende Durchlässigkeit für die Öffentlichkeit von der Münchner Straße bis zur Seepromenade/Nepomukweg zu erhalten.
Die kammartige Struktur auf der Westseite Richtung Schiffhüttenweg wird im Rhythmus des Bestands fortgeführt und so im Maßstab Bezug auf die benachbarte kleinteilige Wohnbebauung genommen. Auf der Ostseite wird die großräumigere, hofartige Struktur ergänzt, sodass sich zusammen mit dem Jugendzentrum und dem dreigeschossigen Sitzungstrakt ein gut proportionierter Freibereich bildet, der für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden kann.
besondere soziokulturelle Aspekte auf Gebäudeebene, die bei der Planung und Umsetzung berücksichtigt worden sind.
Der Anbau wurde in seiner Zugänglichkeit barrierefrei gestaltet.
Der Haupteingang wurde mit einem Windfang und automatischen Schiebetüren ausgestattet.
Alle Eingangs-, Büro-, Aufzugs- und öffentlich zugänglichen Türen besitzen eine lichte Breite von mind. 90 cm. Die neue zweiläufige Treppe am Übergang Bestand/Erweiterung wurde in den Bestand eingebaut und um einen barrierefreien Aufzug ergänzt, der bis in das bestehende Untergeschoss führt, das bisher nur unzureichend über einen Lastenaufzug angeschlossen war.
Der Aufzug erhielt eine akustische Stockwerksansage und Bedienungstableaus mit erhabenen Zeichen und Braille-Schrift.
Zirkuläre Wertschöpfung
angewandte Maßnahmen auf Bauteil- und Gebäudeebene
Bei der Planung wurden Verbundbaustoffe weitestgehend vermieden:
Die Holorib-Decken liegen auf Holzzangen, die getrennt entsorgt oder wiederverwendet werden können.
Bei den Bodenaufbauten wurden statt schwimmendem Estrich Hohlraumböden eingebaut, sodass die Trockenbauplatten und Stahl-Unterkonstruktion bei einem Rückbau getrennt und recycelt werden können. Gleiches gilt für die Verwendung von Trockenbau-Abhangdecken, Trockenbau-Wänden sowie die Systemtrennwände der Flure.
Bei der Pfosten-Riegel-Fassade wurden die Aluminium-Aufsatzprofile auf die Brettschichtprofile geschraubt. Aluminium und Holzbauteile können somit sortenrein getrennt rückgebaut werden.
besondere Aspekte auf Material-/Baustoff- und Bauteilebene.
Insgesamt verbaute Holzmenge beim Erweiterungsbau:
Bauschnittholz Fichte: 72 m³;
Brettschichtholz Fichte: 44 m³;
Brettschichtholz Lärche: 99 m³;
Brettsperrholz-Wände Fichte: 6 m³;
Schalungen Fichte/Kiefer: 55 m³;
Biodiversität und Artenvielfalt
besondere Maßnahmen
Die Freianlagen im östlichen Bereich wurden als blütenreiche Magerwiesen und wechselfeuchte Mulden mit gebietseigenem Saatgut gestaltet. Die Bestandsbäume der Obstwiese wurden soweit möglich erhalten und durch Neupflanzungen ergänzt.
Die westlichen Höfe dienen als Retentionsbereiche für eine natürliche Versickerung des Regenwassers und werden analog zum Bestand als Themenhöfe mit Findlingen, Kies, heimischen Stauden und Solitärgehölzen gestaltet.
Durch Pflanzung von einheimischen und standortgerechten Gehölzen, die mit den neu ausgebildeten Retentionsmulden harmonieren, wird der Neubau landschaftlich eingebettet. Die neuen Freianlagen fügen sich nahtlos in den Bestand und die Umgebung ein.
Das Nebeneinander von altem Baumbestand, sonnigen und schattigen, trockenen und feuchten Standorten ist vernetzt mit den Lebensräumen einer Vielzahl von Tieren entlang des Starnberger Sees, z.B. eine Schwalbenwand mit Nestern für Mehlschwalben.
Nicht versiegelte Grundstücksfläche: 68%.
Klima- und Umweltschutz
besondere Maßnahmen
Die Erweiterung sollte soweit möglich dem Bestand gleichen. Aus Brandschutz- und statischen Gründen waren die vorhandenen Trapezblech-Verbunddecken im Neubau nicht möglich, sodass Alternativen untersucht wurden. Um eine Bauteilaktivierung zu integrieren, fiel die Entscheidung auf eine 14 cm hohe Holorib-Verbunddecke.
Die Außenstützen und Holzzangen wurden nicht wie im Bestand in Fichte, sondern in Lärchen-Brettschichtholz ausgeführt, um auf einen chemischen Holzschutz verzichten zu können. Die Fassade wurde nicht wie im Bestand als reine Holzelementfassade ausgebildet, sondern als Pfosten-Riegel-Fassade mit Fichten-Brettschichtholz-Profilen und Aluminium-Deckschalen, sodass keine Unterhaltsbeschichtungen notwendig sind.
Bei Beschichtungen und Farben wurde festgelegt, dass diese lösemittelfrei, formaldehydfrei und frei von Konservierungsstoffen sein müssen. Sie sollen die RAL-Bezeichnung gemäß ZTV für emmissionsarme Farben tragen oder emissionsgeprüft sein.
Standort
Strandbadstraße 2
Starnberg
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OrtStarnberg
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RegierungsbezirkOberbayern
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TypologieVerwaltungsbauten
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FertigstellungSeptember 2021
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Auszeichnungsjahr2023
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Ursprungsbaujahr1987
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BauherrLandkreis Starnberg , Starnberg
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Architektur
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Mitarbeit
- Dominik Fahr (Projektleitung)
- Daniela Sacher (Projektleitung)
- Heinz Wendl (Bauleitung)
- Hannes Ehrminger
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Landschaftsarchitektur
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MaßnahmeBauen im Bestand
- Anbau/ Erweiterung
- Sanierung/ Umbau/ Revitalisierung
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Besondere Qualitäten
- Holzbau
- Modulbau