Dipl.-Ing. Alexander Schwab | Architekt, Stadtplaner | ASA Alexander Schwab Architekten GmbH, Unterhaching

"Auch wenn es noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, wird sich BIM langfristig durchsetzen"

Im Gespräch mit Alexander Schwab.

Alexander Schwab ist ein erfahrener Architekt und Stadtplaner, der seit langem ehrenamtlich in der Bayerischen Architektenkammer tätig ist. Aktuell engagiert er sich u. a. im Kompetenzteam „Honorar- und Baurecht, digitales Planen und Bauen“. Er arbeitet seit einigen Jahren mit BIM und hat jetzt für sein Büro den Digitalbonus Bayern beantragt. Interessant und für die Bayerische Architektenkammer Anlass zu einigen Fragen. 

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ByAK: Herr Schwab, Sie arbeiten nun schon seit einigen Jahren mit BIM. Welche Phasen im Planungs- und Bauprozess profitieren Ihrer Ansicht nach besonders von der BIM-Methode?

Schwab: Das kann ich leider nicht vollumfänglich beantworten, da wir BIM bisher nur bis zur Leistungsphase 6 einsetzen. Doch lässt sich schon hier erkennen, dass alles, was mit Qualitäten und Quantitäten zusammenhängt, von BIM besonders unterstützt wird. Damit ist es schon in einer sehr frühen Planungsphase möglich, dem Auftraggeber belastbare Entscheidungsgrundlagen für sein Bauvorhaben zu geben. Mit jedem Planungsschritt können diese Grundlagen verfeinert und immer wieder angepasst werden.

ByAK: Little oder Big BIM? Closed oder Open BIM? Welche BIM-Planungsart funktioniert am besten?

Schwab: Meiner Ansicht nach befinden wir uns in Deutschland immer noch in der Lernphase. Nur ein Teil der Architekten befasst sich schon intensiver mit BIM. Bei den Ingenieuren sind es noch weniger und bei den ausführenden Firmen muss man lange suchen. Deshalb muss man wohl sagen, im Moment funktioniert weder Big BIM noch Open BIM. Bei Big BIM müssten mehrere Firmen mit der gleichen Software in einem Modell arbeiten. Dazu fehlt noch die ausreichende Zahl an Mitspielern. Hier wäre es sehr sinnvoll, wenn Software-Häuser ein Networking ihrer Kunden, die mit der gleichen Software arbeiten, organisieren würden. Open BIM, bei dem mehrere Firmen mit unterschiedlicher Software an einem Modell zusammenarbeiten, scheitert an der noch nicht ausgereiften Schnittstelle IFC, bei der der Datenaustausch nicht zuverlässig ist. Bei closedBIM kann nur mit einer sehr beschränkten einheitlichen Softwarepalette gearbeitet werden, bei der alle damit zusammenhängenden Programme uneingeschränkt miteinander kommunizieren können müssen. Bleibt also Little BIM als Insellösung innerhalb eines Unternehmens, bei dem alle Mitarbeiter mit der gleichen BIM-Software arbeiten. Das funktioniert schon sehr gut, begünstigt aber leider große Planungsbüros mit allen Fachingenieuren unter einem Dach, also Generalplaner und Generalübernehmer. Hierin steckt eine nicht zu unterschätzende Gefahr einerseits für kleinere Architekturbüros und andererseits für die Trennung von Planung und Ausführung.

ByAK: Sie sind nicht ausschließlich im Hochbau tätig, sondern auch im Bereich der Stadtplanung, also in größeren Maßstäben. Können Sie BIM in gleicher Weise bei allen Projekten einsetzen? Oder welche Unterschiede spüren Sie in der Planung?

Schwab: Grundsätzlich lässt sich BIM bei allen Projekten einsetzen. Natürlich immer wieder in einem anderen Umfang und einer anderen Informationstiefe. Will ein Auftraggeber explizit eine Bearbeitung mit BIM, ist die zu liefernde Informationstiefe, auch Level of Information (LoI) genannt, unter mehreren anderen Kriterien ein wichtiger Vertragsinhalt. Er entscheidet darüber, ob die Bearbeitung noch unter die Regelungen der Grundleistungen der HOAI fällt, oder es sich dabei um eine Reihe zusätzlicher Besonderer Leistungen handelt, die frei vereinbar sind. Am häufigsten wird in diesem Zusammenhang die Frage diskutiert, ob sich BIM für das Planen und Bauen im Bestand eignet. Dazu kann ich nur sagen, dass wir viele Aufstockungsprojekte auf oder Anbauten an Bestandsprojekte selbstverständlich auch mit BIM bearbeiten. Hier geht es eher darum, die Schnittstellen zum Bestand frühzeitig und zuverlässig zu klären.

ByAK: Hatten Sie bereits Probleme bei den Schnittstellen mit anderen Planern oder mit ausführenden Firmen? Wie hat sich die Problematik in Ihrer langjährigen Erfahrung entwickelt? Und wie gehen Sie damit um?

Schwab: Die Schnittstellen zu anderen Planern ist sicher das größte Problem beim Arbeiten mit BIM. Da wir alle, wie anfangs bemerkt, hier noch Lernende sind, kämpfen wir eher mit technischen Problemen beim richtigen Übereinanderlegen der 3D-Modelle, oder der Übernahme bestimmter Layer in unsere Zeichnung als mit inhaltlichen. Da geht es um Einfügepunkte, um das saubere Erstellen der jeweils eigenen Zeichnungen etc. Das meiste dabei ist sehr profan. Wie gehen wir damit um? Reden, reden, reden. Kommunikation bleibt im Planungs- und Abstimmungsprozess das A und O, unabhängig von der Planungsmethode. Die größte Gefahr steckt meiner Ansicht nach darin, etwas schnell zu ändern, dann klingelt das Telefon und dann vergisst man, die Änderung den anderen Beteiligten mitzuteilen. Das sollte bei openBIM nicht mehr passieren, wenn alle im gleichen Modell arbeiten. Aber der Weg dahin ist noch weit.

ByAK: Sie haben sich für das Förderprogramm Digitalbonus Bayern beworben. Können Sie uns etwas zu dem Verfahren berichten? Wie ist es gelaufen? Und gibt es bereits ein Ergebnis für Ihr Büro?

Schwab: Der Digitalbonus Bayern ist für die Förderung der Digitalisierung der Bayerischen gewerblichen Wirtschaft geschaff en worden. Das bedeutet, dass nur derjenige diese Förderung erhalten kann, der auch gewerbesteuerpfl ichtig ist. Das sind zwar z. B. Architekturbüros, die sich als GmbH konstituiert haben, aber eben nicht alle die GbRs oder Einzelunternehmen, als die unsere Kollegen und Kolleginnen meistens fi rmieren. Wenn man bedenkt, welchen Anteil diese Büros an der Wertschöpfung in Bayern haben, und damit auch am Steueraufkommen, wäre ein Umdenken der Staatsregierung hier sehr zu wünschen. Hier sollten die Freien Berufe in Bayern unbedingt eine gemeinsame Initiative starten. Der Digitalbonus wird in zwei Stufen ausgeteilt, als „Digitalbonus Standard“ (Förderung bis zu 10.000,- €) und als „Digitalbonus Plus“ (Förderung bis zu 50.000,-), wenn der Fördergegenstand besonders innovativ ist. Wie ich erfahren musste, gehört die Einführung von BIM nicht dazu. Während man alles Wissenswerte www.digitalbonus.bayern findet, muss man folgendes dringend beachten: Pro Monat werden nur 500 Anträge vom Bayerischen Wirtschaftsministerium freigeschaltet, und zwar immer am ersten Werktag des Monats. Wenn diese aufgebraucht sind, muss man wieder einen Monat warten. Als ich am 1. Februar um 8:00 Uhr mein Antragsformular heruntergeladen habe, war ich bereits der 166ste Abholer. Als ich ihn um 10:00 Uhr per Email einreichte, war ich bereits der 315te. Die Voraussetzungen waren aber erfüllbar und der Digitalbonus wurde mir zugesprochen.

ByAK:  Was sind Ihre Zukunftsvisionen von BIM und welche Herausforderungen sind bis dahin noch zu bewältigen?

Schwab: Auch wenn es noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, wird sich BIM langfristig durchsetzen. Dazu enthält es zu viele Vorteile in der Projektbearbeitung und zu viel wirtschaftliches Potential. Für das große Ziel openBIM fehlt es aber nicht nur an der 100% zuverlässigen Schnittstelle zwischen den verschiedenen Programmen, sondern auch die Programme selbst haben noch viel Luft nach oben. Schließlich fehlt die Infrastruktur, sprich die Schnelligkeit der Datenübertragung. Die Chance, die sich für Architekten im ländlichen Raum in einer vernetzten Zusammenarbeit an einem Projekt in der Cloud bieten könnte, wird konterkariert durch die schlechte Versorgung mit schnellen Datenleitungen gerade dort. Hier gibt es noch viel zu tun.

 

Für die ByAK fragte Daniela Deeg

Dipl.-Ing. Andreas Baum | Architekt | baum-kappler architekten gmbh, Nürnberg

BIM - Allheilmittel des Planens und Bauens?

Die Durchsetzung der Planungsmethode des Building Information Modeling (BIM) im Arbeitsalltag vieler Architekten wird über kurz oder lang so sicher wie das Amen in der Kirche sein. Nicht der politische Wille der Digitalisierung der Bauwirtschaft wird uns Architekten hierbei aufs Auge gedrückt. BIM lässt sich heute kaum noch ignorieren, wenn man als leistungsfähiges Büro bestrebt ist, seine Prozesse und Abläufe bei Planung und Baudurchführung effizienter zu gestalten. BIM bietet die Chance, auch gegenüber dem Bauherrn, den Planungsprozess wieder strukturiert zu organisieren, zu dokumentieren und somit aus der Mühle des gleitenden Planen und Bauens heraus zu kommen. Die Fehler gescheiterter Großprojekte liegen nicht in mangelnder Digitalisierung der Prozesse, sondern in einer Vielzahl von Änderungen durch alle Projektbeteiligte.

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Grundsätzlich ist BIM keine Software, die es nur anzuwenden gilt, um die eigene Planungsqualität zu steigern. Der Computer ist nach wie vor so schlau wie der, der ihn bedient. Die neue Planungsmethode BIM kommt eigentlich nur auf die seit je her bekannten Parameter des Planen und Bauens zurück. Als erstes muss der Bauherr wissen, was geplant und gebaut werden soll und dieses Soll, auch hinsichtlich Kosten und Terminen, definieren. Der Architekt kann diese qualitativen und quantitativen Informationen nunmehr in ein integrales und durchgängig digitales Modell übernehmen. Dieses Modell ist dreidimensional und alle Bauteile verfügen über zugewiesene Eigenschaften (Metadaten). In Verbindung mit Kosten- und Termindaten (5D-Planung) verfügt der Planende bereits in einer frühen Projektphase, z.B. in der Entwurfsplanung, über ein hohes Maß an Informationen. Diese Dimensionen sind jedoch nicht begrenzt und können u.a. mit bauphysikalischen Eigenschaften und Belichtungskonfigurationen ergänzt werden. Dadurch wird der Bauherr „gezwungen“, Entscheidungen zu treffen.

Aus Sicht von Architekten und Ingenieuren bedeutet die Arbeit mit BIM einen echten Paradigmenwechsel. Das Ziel bleibt jedoch das gleiche wie bisher. Der vertraglich vereinbarte Werkerfolg ist die Erstellung eines mangelfreien Bauwerks auf Basis von korrekten und lesbaren Planunterlagen. Die Arbeit erfolgt jedoch nicht mehr separat in der konkreten Zeichnung, dem Raumbuch, der Fensterliste oder der Kostenkalkulation, sondern ausschließlich im virtuellen Gebäudemodell.

Wie kann der Einstieg in die BIM Planung erfolgen? Für unser Büro kam er praktisch unvorbereitet über Nacht, durch den Planungsauftrag für zwei Klinikprojekte der US-Army in Mittelfranken und der Oberpfalz im Jahr 2011. Auch hier stand der politische Wille im Vordergrund, ab dem Jahr 2008 für alle in Europa geplanten und gebauten Projekte die Planungsmethode BIM anzuwenden. Dies sollten wir mit vom Auftraggeber beigestellten Fachplanern bewerkstelligen, die wir in unser Planungsteam aufnahmen. Durch die Praxis haben wir hinzugelernt. Ohne es zu wissen, war diese projektbegleitende Einführung die passende Herangehensweise. Im Laufe der Bearbeitung sollte ein Bürostandard für die Modellierung und Dokumentation gefunden werden. Von Experten geprägte Begriffe wie open/closed oder little/big BIM haben uns dabei erstmal nicht interessiert. Ohne es zu wissen, haben wir, bedingt durch funktionierende oder auch nicht funktionierende Schnittstellen, Open BIM gelebt. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Kollaboration softwareübergreifend die Zukunft des digitalen Planens darstellt.

Häufig wird die Frage gestellt, „ist BIM teuer“? Diese Frage lässt sich aus zwei Blickwinkeln beantworten. BIM ist teuer, wenn man ausschließlich die Kosten für Software, Hardware und die unabdingbare Weiterbildung der Mitarbeiter betrachtet. Unter dem Strich spart die Arbeit mit BIM Zeit und Geld. Durch die Rationalisierung der Planung und die Ausgabe von tagesaktuellen Daten und Informationen entfallen Tätigkeiten, die bislang „zu Fuß“ erledigt wurden. Natürlich entstehen weitere Tätigkeitsfelder, die mit den Grundleistungen der HOAI nicht abgedeckt sind. In der Arbeitsgruppe BIM des AHO, in der ich seit 2015 mitarbeite, werden wir diese besonderen Leistungen herausarbeiten und im Herbst diesen Jahres ein grünes Heft zum Thema herausgeben. Um diese Leistungen definieren zu können, sind Standards erforderlich. Im Bereich der internationalen Normungsgremien (ISO, CEN) wird bereits intensiv gearbeitet. Durch Gründung des DIN NA 005-01-39 AA Arbeitsausschuss BIM – Building Information Modeling, in dem ich als Delegierter der Bundesarchitektenkammer im Auftrag der Bayerischen Architektenkammer vertreten bin, wurde der deutsche Einfluss gestärkt. Ziel ist es, die Normung bezogen auf unsere Planungsstrukturen mit kleinen und mittelständischen Unternehmen zu beeinflussen. Getreu dem Motto „BIM ist für alle da“, nicht nur für Generalplaner und Generalunternehmer.

Als Architekten sollten wir die Gunst der Stunde nutzen und zu unseren Wurzeln zurückkehren. Wir organisieren und koordinieren den Planungsprozess und die daran fachlich Beteiligten, so wie es im ureigenen Verständnis der Baumeister verankert war. Auch im Ausführungsprozess müssen die Strukturen gebildet werden. Denn schon die seit letztem Jahr verpflichtende Verwendung von elektronischer Ausschreibung und Vergabe hat gerade bei kleinen Unternehmen zu Umstellungsschwierigkeiten geführt. Ähnliches wird für die Implementierung von BIM zu erwarten sein. Es hilft nicht, die große BIM-Keule zu schwingen. Alle müssen gut vorbereitet mitgenommen werden.

Risiken, die aktuell von Haftungsthemen bis hin zum Bauvertragsrecht diskutiert werden, müssen geklärt werden. Eingeführte Vertragsmuster mit Stufenmodellen auf Basis der Leistungsphasen der HOAI müssen angepasst werden und Zielvorgaben, die vom Auftraggeber geschuldet sind, müssen eindeutig sein.

BIM ist eine Chance, aber kein Allheilmittel. Die Qualität der Planung wird weiterhin Grundlage guter Architektur sein. BIM führt nicht zu Schubladenprojekten, aber zur Effizienzsteigerung im Planungs- und Ausführungsprozess.

Dipl.-Ing. (FH) Anne Robert | Architektin | Padoplan GmbH, München

„Es ist ein deutlicher Anstieg an Planern zu verzeichnen, die sich auf das Abenteuer BIM einlassen“

Im Gespräch mit BIM-Professional Anne Robert

Anne Robert ist Architektin und langjährige Mitarbeiterin im Büro Padoplan. Neben den Planungskompetenzen, die sie als Architektin mitbringt, hat sie sich in den letzten Jahren sowohl bei der Bayerischen Architektenkammer, als auch bei TU-München im Bereich BIM weitergebildet. Als eine der Ersten hat sie den Zertifikationskurs BIM-Professional im Juli 2017 erfolgreich abgeschlossen. Wie diese Expertise nun in einem Büro mit 19 Mitarbeitern umgesetzt wird, hat die Kammer interessiert.

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ByAK: Sie setzen selbst bereits BIM im Büro ein. War dies eine bewusste Entscheidung, oder hat sich BIM sozusagen über die Software eingeschlichen?

Anne Robert: Sowohl als auch. Die Bearbeitung unserer Projekte ist über viele Jahre mit der Software mitgewachsen. Je komplexer die Möglichkeiten der 3D-Eingabe in der CAD wurden, desto mehr haben wir sie insbesondere in den Leistungsphasen 1–4, aber durchaus auch in der Massenermittlung und Ausführungsplanung ausgeschöpft. Die Entscheidung dazu, additiv zur Entwurfsbearbeitung, Plangenerierung und Visualisierung die bereits erstellten 3D-Modelle mit intelligenten Attributen zu versehen, fiel dann vor etwa drei Jahren bewusst als eine logische Weiterentwicklung unserer Tätigkeiten.

ByAK: Wie wirkt sich BIM auf Ihren Planungsprozess aus?

Anne Robert: Da wir die BIM-Methodik in unserem Büro bereits implementiert haben, ist eine explizite projektbezogenen Vorbereitung mittlerweile obsolet. Bevor auch nur ein Strich gezeichnet wird, legen wir für jedes neue Projekt eine detaillierte Bearbeitungsstruktur an, die für alle Planungsbeteiligten verbindlich ist und sowohl die Planung, Kostenschätzung und Terminsicherung als auch die interne wie externe Kommunikation enorm erleichtert. Der Umstieg vom konventionellen CAD-System auf BIM ist uns nicht schwer gefallen. In unserem Programm gibt es keine Unterscheidung zwischen 3D-Eingabe und BIM-Eingabe, es liegt in der Entscheidung des Anwenders, welche Programmmodule er nutzt und welche nicht. Im Planungsprozess ist BIM als Erweiterung der 3D-Eingabe eine gute Unterstützung, um schon in einem frühen Projektstatus detailliert über Auswirkungen einzelner Entwurfsentscheidungen nachzudenken. Dies zwingt von vorneherein zu einer intensiveren Beschäftigung mit fast allen Aspekten einer Planung und vermeidet in der weiteren Bearbeitung viele, oftmals kostenintensive Nachbesserungen.

ByAK: Wie steht Ihr Team zu BIM?

Anne Robert: In jedem Team gibt es Mitglieder, die eine Neuerung zunächst skeptisch analysieren und solche, die von Anfang an begeistert mitgehen. Diese Phase mit all ihren mal spannenden, mal hemmenden Aspekten haben wir hinter uns. Mittlerweile ist die Arbeitsweise für uns so natürlich, dass sie nicht mehr infrage gestellt wird.

ByAK: Nutzen Sie BIM bereits als Open-Big-BIM, also als offenes System auch mit anderen Partner, wie den Bauherrn oder anderen Fachplanern?

Anne Robert: Mit Fachplanern leider noch nicht in dem Maße, wie wir es gerne täten. Allerdings bemerken wir einen deutlichen Anstieg an Planern, die sich auf das „Abenteuer BIM“ einlassen. Dies wird sich sicherlich in Zukunft auf die verstärkte Anwendung von Open-Big-BIM auswirken. Viele unserer Bauherren nutzen die von uns erstellten BIM-Modelle zunehmend beispielsweise für das Facility Management, dies spiegelt sich deutlich in der Ausgestaltung unserer Aufträge.

ByAK: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Austausch von BIM-Daten zwischen Planern und Handwerkern?

Anne Robert: Kürzlich haben wir für ein größeres Wohnungsbauprojekt von dem beteiligten Zimmerer einen perfekt in 3D durchkonstruierten Pfettendachstuhl erhalten, den wir ohne Mühen und vor allem ohne Datenverluste in unser Planungsmodell importieren konnten, obwohl wir nicht mit dem gleichen CAD-Programm arbeiten. Das ganze Team hat vor dem Bildschirm gestanden und sich gefreut! Diese Erlebnisse sind leider noch selten, werden aber immer mehr, je mehr sich die BIM-Methodik auch bei den ausführenden Firmen durchsetzt.

ByAK: Sind Sie der Ansicht, dass sich durch BIM das Berufsbild des Architekten verändert?

Anne Robert: Ich sehe die BIM-Methodik nicht als Veränderung für das Berufsbild des Architekten, sondern als sehr professionelles Hilfsmittel, diesen Beruf vollumfänglich auszuüben und dem Bauherren das zu bieten, was er letzthin auch ohne BIM bekommen sollte: eine gute Planungsleistung, die zu einem zeitgemäßen Bauwerk führt. Neben der größeren Effizienz in der Planung, der transparenteren Kostenkontrolle und größeren Terminsicherheit sehe ich für uns Architekten in BIM vor allem die große Chance, alte und vielleicht überholte Arbeitsweisen zu überdenken, um neue kreative Planungswege einschlagen zu können.

Für die ByAK fragte Daniela Deeg