BIM – Standards und Normen

Foto: Thomas Lenzen

BIM - Standards und Normen

Die BIM-Arbeits- und Planungsmethode erfordert ein hohes Maß an Strukturierung. Vereinbarungen hinsichtlich von allen Projektbeteiligten einzuhaltender Standards für Modellinhalte, Datenmanagement und Koordinierung sind für die kooperative Zusammenarbeit unabdingbar. Allgemeine Standards, Normen und andere Hilfestellungen wie z.B. Leitfäden unterstützen dabei.

BIM und DIN-Normung

BIM hat längst die Normung erreicht. Im DIN befasst sich der interdisziplinär besetzte Normenausschuss NA 005-01-39 "Building Information Modeling" mit notwendigen Standards und Regeln für die Anwendung von BIM. Um die Fülle der Themen bewältigen zu können, ist der Normenausschuss in Arbeitskreise untergliedert:

- AK 01 "Strategie"

- AK 02 "Datenaustausch"

- AK 03 "Informationsmanagement mit BIM" und

- AK 04 "Datenstrukturen für BIM-Kataloge".

Der Normenausschuss und seine Arbeitskreise spiegeln auch die vielfältigen Normungsaktivitäten auf ISO- und CEN-Ebene wider – sie sind die Spiegelgremien zu ISO/TC 59 "Buildings and civil engineering works" und CEN/TC 442 "Building Information Modelling (BIM)". Architekten sind in den Gremien der DIN und des VDI mit mehreren Delegierten vertreten.

Im Rahmen der Federführung Normung koordiniert und beantwortet die Bayerische Architektenkammer gemeinsam mit der BAK und weiteren Landesarchitektenkammern (NRW und BW) die Interessensvertretung bei der Entwicklulng von Standards und Normen zu BIM.

BIM und Europäische Normung (DIN EN ISO 19650)

Der europäische Norm-Entwurf E DIN EN 19650 zur Organisation von Daten für ein Bauwerks- und Informationsmanagement mit BIM, basiert auf dem britischen Standard (BSI 1192-2). Nach der Verabschiedung der Europäischen Norm finden diese, aufgrund des Vertrages zwischen DIN und CEN, direkt Eingang in die nationale Normung des DIN. Die Umsetzung erfolgt über sog. Spiegelgremien. Im Frühjahr 2017 wurde der Entwurf E DIN EN ISO 19650 "Organisation von Daten zu Bauwerken – Informationsmanagement mit BIM", Teil 1 "Konzepte und Grundsätze" und Teil 2 "Lieferphase der Assets" veröffentlicht. BAK und ByAK nahmen hierzu dezidiert Stellung.

In den Stellungnahmen hat die Bundesarchitektenkammer sowohl Teil 1, als auch Teil 2 der Norm abgelehnt. Wessentlicher Grund für die Ablehnungwar, dass im Entwurf ausschließlich die in Großbritannien üblichen Generalplaner- und Generalunternehmerstrukturen abgebildet werden. Die Norm ist daher nicht auf die kleinteilige, mittelständische Struktur der Wertschöpfungskette Bau in Deutschland übertragbar. Im Normenausschuss des DIN wurde Teil 2 mehrheitlich abgelehnt, Teil 1 wurde jedoch angenommen. Die Ablehnung des Teils 2 führt zur erneuten Abstimmung zwischen DIN und CEN.

Die Stellungnahmen finden Sie hier:

Stellungnahme Teil 1 Konzepte und Grundsätze

Stellungnahme Teil 2 Lieferphase der Assets

VDI

Nicht nur im DIN, auch im VDI (Verband der Ingenieure) finden Normung und Standardisierung von BIM-Prozessen statt. Nationale Anforderungen, die ergänzend zur internationalen BIM-Standardisierung festgeschrieben werden sollen, bildet die Richtlinienreihe VDI 2552 "Building Information Modeling" ab. Der VDI-Koordinationskreis arbeitet hierbei eng mit dem für die Spiegelung der internationalen Norm zuständigen Normenausschuss des DIN zusammen, um Widersprüche in den jeweiligen Normenwerken zu vermeiden. Anders als die Entwürfe zur DIN EN ISO 19650 werden die bisher vorgestellten VDI-Richtlinien von der BAK positiver bewertet. Sie gehen auf die nationalen Besonderheiten und Bedürfnisse ein. Gleichwohl wird die parallele Verortungen der Standardisierungsaktivitäten – beim VDI als auch beim DIN – für die Planer als Hindernis angesehen. Diese Doppelung trägt wohl nicht zur Klarheit bei. Anders als zu den Vorgängen im DIN kennt der VDI kein reglementiertes Verfahren zur Stellungnahme. BAK und ByAK äußerten sich kritisch zu Blatt 3 "BIM – Mengen und Controlling".

Die Stellungnahme finden Sie hier:

Stellungnahme VDI Blatt 3

 

BIM-Leitfaden des BBSR

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumentwicklung (BBR) hat bereits 2013 einen BIM-Leitfaden für Deutschland als Information und Ratgeber herausgegeben. Der BIM-Leitfaden eröffnet nicht nur Anwendungsszenarien für Großprojekte. Auch wie BIM in kleinen und mittleren Unternehmen und Projekten eingesetzt werden kann, wird thematisiert. Er bezieht sich damit auf die in Deutschland typische Büro- und Planungskultur.