BIM Lexikon

Foto: Daniela Deeg

A

AIA - Auftraggeberinformationsanforderung

Zur erfolgreichen Durchführung eines Projekts mit der BIM-Methode bedarf es der ausreichenden Kompetenz aller am Planungs- und Bauprozess Beteiligter (Planer, ausführende Firmen und auch Bauherren). Ebenso wichtig wie die Strukturierung des Datenmodells ist auch die Koordinierung des gesamten Planungsablaufs. Noch bevor mit dem Projekt begonnen wird, sollte sich der Bauherr darüber im Klaren sein,welcher Bedarf besteht und in welchem Umfang ein Auftrag vergeben werden soll. Der Bauherr definiert dafür die Auftraggeberinformationsanforderungen (AIA), als Grundlage für die Ausschreibung zur Findung eines Planungsteams. Die AIAs sind der wichtigste Ausgangspunkt und die notwendige Basis für die Abwicklung eines BIM-Projekts. Auftraggeber beschreiben darin gegenüber den Bietern, welcher Modell- und Datenumfang benötigt wird und wofür das Modell eingesetzt werden soll. Zugleich definieren die AIAs Aussagen über BIM-Ziele und BIM-Anwendungsfälle des Projekts sowie alle erforderlichen technischen, organisatorischen und vertraglichen Aspekte. Typische BIM-Ziele können bspw. eine erhöhte Transparenz und Kommunikation zwischen den am Bau Beteiligten sein oder auch die Erstellung einer Datenbasis für die spätere Bewirtschaftung. Ebenso notwendig und daher Teil der AIAs ist die Beschreibung des geforderten Level of Development (LOD), d.h. der geometrischen Ausarbeitung sowie des Informationsgehalts des Modells, zu vorgegebenen Zeitpunkten. Dies beinhaltet den Abgleich mit den Vorgaben der HOAI. Welche Leistungsphasen werden beauftragt? Entspricht der im Projekt geforderte Zeitplan in Bezug auf den LOD den Leistungsphasen oder sind gewisse Leistungen vorzuziehen? Handelt es sich um Grundleistungen oder werden besondere Leistungen, wie z. B. ein Raumbuch benötigt? Bereits in den AIAs können technische Aspekte wie Austauschformate, Koordinatensysteme (z.B. Gauß-Krüger) oder Kassifikationssysteme (z.B. DIN 276) festgesetzt werden. Liegt den Planern eine gut ausgearbeitete AIA vor, sind sie in der Lage, auf dieser Basis ein solides, auf die spezifischen Anforderungen des Projekts abgestimmtes Angebot zu erstellen. Damit ist der Grundstein für einen erfolgreichen BIM-Ablauf ist gelegt.

As-Build Model

Das digitale As-Build Model ist das virtuelle Abbild des gebauten Gebäudes. Es stellt alle gebauten Anlagen im Ist-Zustand nach der Errichtung dar. Es lässt sich sowohl für das Facility-Management, als auch für weitere Maßnahmen wie Umbau, Modernisierung, Sanierung usw. nutzen.

As-Planned Model

Anders als das As-Build Model, stellt das As-Planned Mode (auch As-Designed Model genannt) den Soll-Zustand dar, der für das Gebäude geplant und nach Fertigstellung vorgesehen war. Es handelt sich um einen digitalen Prototypen, der als Referenz dient.

B

BAP – BIM-Abwicklungsplan

Wurden die AIAs vom Auftraggeber definiert, so erstellen nun die Planer, ggf. gemeinsam mit dem Bauherrn und den Fachplanern, den BIM-Abwicklungsplan (BAP). Die Abstimmung kann je nach Projektgröße z.B. in Form eines Workshops erfolgen. Der BAP ist sozusagen die Antwort auf die AIAs. Er definiert die Vorgehensweise und die Details, mit denen die AIAs erreicht werden sollen und beschreibt strategisch die BIM-basierte Zusammenarbeit. Sowohl organisatorische Strukturen, als auch die Verantwortlichkeiten werden in diesem Strategiepapier festgesetzt. Der Leistungsumfang aller Planungsbeteiligten findet sich im BIM-Abwicklungsplan wieder, ebenso die definierten Prozesse und Austauschanforderungen. Das Dokument ist Grundlage für den gesamten Prozess und fixiert den Umfang der BIM-Implementierung für jede Projektlebenszyklusphase. Der BAP ähnelt einem Handbuch oder Fahrplan für das Projekt.

BCF – BIM Collaboration Format

BCF ist ein wichtiges Element der büro- und firmenübergreifenden Koordination und Kommunikation während des Arbeitsprozesses. IFC (Industry Foundation Classes) eine Schnittstelle zum Datenimport in ein Prüfprogramm. BCF dagegen ist die Exportdatei, die basierend auf dem IFC-Datenmodell Prüfergebnisse transportierbar macht. Was bisher eine Revisionswolke markierte, zeigt nun das BCF mit weiterführenden Informationen, die zur Problemerkennung benötigt werden. Über die BCF-Datei können Probleme und Mängel aber nicht nur erkannt, sondern auch verwaltet werden.

Big BIM

Im Gegensatz zu "little" BIM bedeutet "big" BIM die übergreifende Zusammenarbeit aller am Planungs- und Ausführungsprozess Beteiligten am gemeinsamen BIM-Modell und darüber hinaus. Das BIM-Modell findet Verwendung über den gesamten Lebenszyklus.

BIM-Anwendungsfall

Die BIM-Anwendungsfälle können bereits in den AIAs, spätestens aber im BAP definiert und festgelegt werden. Um die BIM-Ziele zu erreichen, gibt es Prozessschritte, die BIM-Anwendungsfälle genannt werden. BIM-Anwendungsfälle sind z.B. Visualisierung, EnEV-Simulation, Massenermittlung, Terminplanung, Kollisionserkennung (Clash Detection) usw.

BIM-Koordinator

Der BIM-Koordinator steuert und koordiniert büro-, bzw. firmenintern die Erstellung des Gebäudemodells und kontrolliert die Qualität. Die Einhaltung von BIM-Standards, Terminen und Ausarbeitungsgrad fällt in den Aufgabenbereich eines BIM-Koordinators.

BIM-Manager

Der BIM-Manager koordiniert und managt den gesamten BIM-Prozess über alle Fachrichtungen hinweg. Damit BIM reibungslos abläuft, bedarf es einer inhaltlichen und organisatorischen Strategie für das Projekt. Der BIM-Manager ist insbesondere verantwortlich für die Umsetzung und Weiterentwicklung der richtigen Strategie. Die Qualitätssicherung, Festlegung und Koordination der Arbeitsabläufe und die regelmäßige Zusammenführung und Prüfung der einzelnen Fachmodelle gehören zur Aufgabe des BIM-Managers. Der BIM-Manager arbeitet eng mit den BIM-Koordinatoren der plandenden Büros oder ausführenden Firmen zusammen.

Für Architekten eröffnet die Position des BIM-Mangers ein erweitertes Berufsfeld. Die Aufgaben der Projektkoordination liegen, ganz im Sinne des traditionellen Baumeisters, beim Architekten. Die technische und strukturelle Komplexität der BIM-Anwendung erfordert nicht nur Wissen im Bereich der Gebäudeplanung, sondern auch spezifisches IT-Wissen, Führungs- und Strukturierungskompetenz sowie umfangreiche praktische Fertigkeiten im Umgang mit Softwareanwendungen. Die regelmäßige Aneignung von zusätzlichem Wissen ist unerlässlich.

BIM-Ziele

Neben der Errichtung eines Gebäudes definieren Bauherren, Planer und ausführende Firmen im Laufe des Projekts Ziele oder Zwischenziele, die durch die BIM-Methode erreicht werden sollen. Um mögliche BIM-Ziele (z.B. eine breite Zustimmung der Bevölkerung, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, Kostenoptimierung, Vermeidung von Fehlern bei der Bauausführung usw.) beim geplanten Projekt zu erreichen, werden die BIM-Anwendungsfälle umgesetzt.

buildingSMART

buildingSMART e.V. ist ein eingetragener Verein, dessen Mitglieder aus allen Bereichen des Bauwesens kommen. Die Bundesarchitektenkammer gehört seit 1. Januar 2017 zu den aktiven Mitgliedern. BuildingSMART arbeitet an der Weiterentwicklung und Standardisierung von offenen Austauschformaten für den Software-unabhängigen Informationsaustausch in BIM-Projekten und BIM-Arbeitsprozessen, die für Open BIM notwendig sind. Zielsetzung des Vereins ist, die Projektabwicklung mit der BIM-Methode durchgängiger und effektiver zu gestalten.

C

Clash Detection (Kollisionskontrolle)

Durch eine regelmäßige Kollisionskontrolle, können mit Hilfe von Softwareprogrammen, Überschneidungen, Konflikte und andere Probleme der Planungen frühzeitig erkannt werden. Die Clash Detection wird i. d. R. vom BIM-Manager durchgeführt. Er bewertet die Konflikte und arbeitet die Ergebnisse auf. Im Anschluss erfolgt dann eine Koordinationsbesprechung mit den BIM-Koordinatoren zur Kommunikation der Probleme und Verteilung von Zuständigkeiten zur Mängelbeseitigung.

Closed BIM

Closed BIM bedeutet, dass beim Datenaustausch ausschließlich proprietäre Schnittstellen einzelner Softwarehersteller genutzt werden. Das Modell wird dann nur innerhalb einer "Softwarewelt" mit einer bestimmten Produktpalette ausgetauscht. Alle Beteiligten nutzen die gleiche Softwareanwendung.

E

ER - Exchange Requirements

Die ER sind eine Art Pflichtenheft, das tabellarisch Anforderungen an den Daten- und Informationsaustausch festhält. Sie sind Teil des Information Delivery Manual (IDM).

I

IDM – Information Delivery Manual

Das vollständige BIM-Modell im IFC-Format, kann sehr umfangreich. I.d.R. werden auch nicht immer alle Informationen in alle Phasen des Projektablaufs benötigt. Um die Fülle an Daten ver- und bearbeiten zu können, werden einheitliche Standards zwischen den Projektbeteiligten vereinbart, die die Inhalte des Modells zu bestimmten Zeitpunkten und Zwecken festlegen. Teil einer von buildingSmart entwicklten Methode sind die Modell-Ansichtsdefinitionen (Model View Definitions – MVDs), die Prozesslandkarten (Process Maps) und die Anforderungen an den Datenaustausch (Exchange Requirements).

IFC – Industry Foundation Classes

Bei IFC handelt es sich um ein offenes, internationales, herstellerneutrales und standardisiertes Datenformat, das vom buildingSMART International e.V. zum Austausch von BIM-Modellen entwickelt wurde. Für die Umsetzung von Open-Big-BIM ist das IFC-Format eine wesentliche Grundlage. Mit IFC können sowohl geometrische, als auch semantische Informationen weitergegeben werden.

L

Little BIM

Erstellt ein Büro ein BIM-Modell nur für die interne Arbeit und gibt es nicht an andere Unternehmen weiter, wird diese "Insellösung" als little BIM bezeichnet. Das Potenzial der BIM-Methode lässt sich durch little BIM nur teilweise ausschöpfen. Little BIM kann jedoch wertvolle interne Optimierungsprozesse bewirken.

LOD – Level of Development

Der Level of Development (Entwicklungsgrad – LOD) fasst den Level of Geometry (LoG), häufig auch Level of Detail (LoD) genannt, und den Level of Information (LoI) zusammen. Über den LOD wird der Reifegrad und die Detaillierungsstufe des BIM-Modells bestimmt.

Der LOD sollte bereits in den AIAs den Leistungsphasen der HOAI zugeordnet werden. Zwischen den Partnern sollte vertraglich geregelt sein, welcher LOD in welcher Leistungsphase zu liefern ist. Nicht immer müssen LoG und LoI zwingend auf dem gleichen Ausarbeitungsstand sein. Unter Umständen kann es dem Projekt dienlich sein, unterschiedliche Detaillierungsgrade zwischen Zeichnung und Informationsgehalt zu vereinbaren.

LOG – Level of Geometry (Level of Detail – LoD)

Der LOG beschreibt den Detaillierungsgrad der Zeichnung. Der Ausarbeitungsgrad der 3-D-Zeichung wird über die Grundstufen LOG 100–500 definiert. Zwischenstufen wie beispielsweise LOG 350 sind möglich. Grundsätzlich ändert die BIM-Modellierung nichts an den im konventionellen Planungsprozess üblichen Detaillierungsgraden. Je nach Leistungsphase werden diese immer genauer. Bei der Vorplanung  mit einem Maßstab von 1:200 geht man i.d.R. von einem LOG 100 (bzw. LOD 100) aus. In der Werkplanung im Maßstab 1:50 wird ein LOG 300 (bzw. LOD 300) die Regel sein.

LOI – Level of Information

Der LOI beschreibt den Detaillierungsgrad der Informationen, die zusätzlich zur geometrischen Zeichnungsinformation im BIM-Model enthalten ist. Erst der LOI macht aus der 3-D-Zeichnung ein "intelligentes" Gebäudemodell. Auch beim LOI ist davon auszugehen, dass der Informationsgehalt grundsätzlich mit der Bearbeitungstiefe in den Leistungsphasen der HOAI korreliert. Beim BIM-Modell wird nicht mehr mit separaten Tabellen oder Textdokumenten gearbeitet. Textinformationen werden im BIM-Modell erstellt oder zumindest mit dem Modell verknüpft. Soll bereits in frühen Leistungsphasen ein höherer LOI, als LOG, ausgearbeitet werden, sind diese Leistungen nach HOAI vorgezogen zu vergüten oder als besondere Leistungen zu behandeln. Inwiefern dieser Detaillierungsgrad zu einem frühen Zeitpunkt in der Projektbearbeitung tatsächlich sinnvoll und zielführend ist, sollte vorab zwischen den Vertragspartnern besprochen, abgestimmt und vereinbart werden.

M

Model Checking

Über das offene IFC-Format besteht die Möglichkeit, unterschiedliche Parameter des BIM-Modells in dafür jeweils notwendigen Softwareprogrammen zu prüfen. Das können z.B. geometrische Eigenschaften im Rahmen einer Clash Detection sein, aber auch andere Parameter, wie die Einhaltung von bestimmten Normen und Richtlinien, Gesetzen und Verordnungen oder auch die Überprüfung spezifischer Bauherrnanforderungen.

MVD – Model View Definition

Die MVD definiert und spezifiziert ein Teilmodell des Gesamtmodells, das zu einem bestimmten Zeitpunkt, für einen gewünschten BIM-Anwendungsfall benötigt wird. Die MVD ist Teil des Information Delivery Manual.

O

Open BIM

Open BIM beschreibt den Austausch zwischen den Planungsbeteiligten über offene und herstellerneutrale Datenformate. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Fachdisziplinen und Aufgabenbereichen mit open BIM gewährleistet, dass Nutzer unterschiedlicher Softwareprodukte gemeinsam an einem Projekt arbeiten und Datenmodelle miteinander austauschen können. Das übliche Datenaustauschformat ist IFC.

P

planen-bauen 4.0

Die Bundesarchitektenkammer gehört mit zu Gründungsmitgliedern von planen-bauen 4.0 – Gesellschaft zur Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH. Die Gesellschaft übernimmt eine wichtige Rolle bei der Einführung von BIM in Deutschland und ist u.a. an der Entwicklung von BIM-Standards und Ausbildungsinhalten beteiligt.

PM – Process Maps

Bei den Process Maps handelt es sich um Prozessdiagramme. Darin werden bestimmte Merkmale (z.B. die Akteure und deren Beziehung zueinander, Abläufe und Teilprozesse sowie zu erstellende Dokumente, Informationsweitergabe oder Modellaustausch) strukturiert und festgelegt. Die PM ist Teil des Information Delivery Manual, sie ist eng mit den Exchange Requirements verknüpft, indem sie die Anforderungen an den Datenaustausch klar definiert.

S

Semantik

Im Allgemeinen versteht man unter Semantik Bedeutungslehre, also die Wissenschaft von der Bedeutung von Zeichen, das können Symbole, oder auch Wörter und ganze Sätze sein. Im Zusammenhang mit BIM ist i.d.R. die Bedeutung von Informationen im BIM-Modell gemeint, die nicht geometrischer Natur sind, also z.B. Datenblätter, Kosteninformation, Termininformation usw.